3. Werbeagentur Zutt und Partner

3.1. Ausgangslage

Die Firma Zutt und Partner wurde 1978 als Werbeagentur gegründet. Das Kleinunternehmen beschäftigt heute insgesamt 17 Angestellte und bietet neben herkömmlicher Werbung auch weitere Dienstleistungen wie Multi-Media-Produktionen für Grossbanken, Gestaltung von Direct-TV mit digitaler und modularer Film- und Videoproduktion sowie kommerzielle Home-Page-Seiten auf dem Internet an1.

Die Werbeagentur stellte vor 15 Jahren auf Telearbeit um. Ausschlaggebend für den Wechsel in die damals noch exotische Arbeitsform war der hektische Wettbewerb um Aufträge. Denn wer erfolgreich kreativ sein will in der Branche, muss zuweilen 15 Stunden und mehr pro Tag arbeiten.

Bevor in der Firma Zutt und Partner der erste Arbeitsplatz räumlich ausgelagert wurde, sollte auf experimenteller Basis die Machbarkeit verifiziert werden. Die Werber simulierten, dass die Büros, die eigentlich Tür an Tür lagen, 15 Kilometer voneinander entfernt seien. Sie verriegelten die Bürotüren und kommunizierten fortan nur noch per Fax oder Telefon. Bewusst reduzierten sie die spontanen persönlichen Kontakte auf das Minimum und ersetzten sie durch geplante Besuche.

Die hervorragend funktionierende Kommunikation und Zusammenarbeit ermutigten sie, räumlich getrennte Büros, sogenannte "Zellen" (Workcenter), zu realisieren. Sukzessive richteten sie weitere "Zellen" ein. Heute bestehen bereits deren 15, wobei eine davon das Ferienhaus der Familie Zutt ist, von wo aus im Sommer der Betrieb geleitet wird.

3.2. Arbeitnehmer-Perspektive

Ueblicherweise müssen sich die Angestellten dem Rhythmus der Arbeitswelt anpassen. Da jedoch die Mitarbeiter von Zutt und Partner vorwiegend mit kreativen Aufgaben betreut sind, deren Ideen nicht von der Tageszeit abhängig sind, befriedigt die Telearbeit ihren Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten. Obwohl manche weiterhin die traditionelle Arbeit im Büro mit geregelter Arbeitszeit vorziehen und andere die Flexibilisierung der Arbeitszeit voll in Anspruch nehmen, also zum Beispiel nachts oder am Wochenende arbeiten, haben sich bis heute fast keine Probleme in der Kommunikation gezeigt.

Besondere Beachtung ist der Abgrenzung zwischen Beruf und Freizeit zu schenken. Bei der Familie Zutt wurden hierzu künstliche Barrieren aufgebaut. Der Arbeitsraum befindet sich in einem vom Wohntrakt getrennten Hausteil, die Verbindungstür ist abgeschlossen, und es gibt zwei verschiedene Telefonanschlüsse. Der Privatanschluss ist laut Philipp Zutt für berufliche Belange tabu. Doch trotz dieser Schranken lässt sich die Privatsphäre nicht vollständig schützen, da der berufliche mit dem sozialen Alltag stark verflochten ist.  Weiter

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1) vgl. Jahresbericht 1994, S. 2 ff




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