Bei der IBM läuft die Kontrolle anhand von Zielvorgaben. Da 50% der Angestellten als Desksharer tätig sind, braucht es eine eingespielte Organisation. Für diese 300 Leute stehen nämlich nur 130 Arbeitsplätze zur Verfügung, was einem Desksharing-Ratio von 1:2,3 entspricht. Bei der IBM müssen Arbeitsplätze, welche länger als 2 Stunden ungenutzt sind, wieder freigegeben werden. Wichtig für den Informationsfluss spielt eine effiziente Telefon-Vermittlungsanlage (TVA). Da die Desksharer an verschiedenen Standorten tätig sind, ist eine sogenannte "Follow me" Funktion eingerichtet worden. Durch persönliches An- und Abmelden mittels eines Codes, welchen man über die Telefontastatur eingibt, werden Telefonanrufe durchgestellt, an eine andere Nummer weitergeleitet oder bei der Telefonvermittlung belassen.
Da ein sehr hoher Anteil als Desksharer tätig ist und die Zeit im Büro im gleichen Gebäude mit allen anderen geschieht, steht auch der Karriere nichts im Wege. Hier sind keine Nachteile feststellbar.
Die IBM haben mit der Schaffung des Desksharings 170 Büroarbeitsplätze eingespart. Der Aufwand für künftige Umzüge von einzelnen Arbeitsplätzen konnte stark reduziert werden. Die Anpassung bei Organisationsänderungen (Aufgabenbereich, Projekte, etc.) wird enorm vereinfacht und die Flexibilität erhöht. Insofern konnten gesamtheitlich betrachtet Kosten eingespart werden.
Den Leuten, die am Home Terminal Programm (HTP) teilnehmen, wird von der IBM die dafür nötige Software und Hardware leihweise zur Verfügung gestellt. Die Mitarbeiter des HTP arbeiten einen gewissen Teil von zu Hause aus.
Bei Zutt und Partner erfolgt die Kontrolle v.a. in Anlehnung an das Management by Objectives (MBO). Durch Zielvorgaben und Zielvereinbarungen werden Zwischenziele und Meilensteine formuliert, anhand derer die Kontrolle vorgenommen werden kann. Eine gewisse Kontrolle kann auch anhand der benutzten Planungstools am Computer stattfinden. Teilzeitmitarbeiter werden vorwiegend im Stundenlohn angestellt. Ansonsten geschieht die Entlöhnung mittels Monatslöhnen. Eine Zeitkontrolle gibt es i.d.R. nicht, auch wird üblicherweise keine Zeitkompensation gewährt.
Was den Informationsfluss betrifft, so erfolgt dieser primär über E-Mail und Voice-Mail. Es gibt keine fixen Treffzeiten am Hauptsitz, jedoch vereinbart man wenn immer nötig Meetings. Man hat festgestellt, dass 80% der Kommunikation nicht nicht nötig ist, sondern nicht so wichtig ist, dass man den anderen direkt stören muss. Man hat weiter festgestellt, dass die Leute vorbereiteter zu Meetings kommen, wenn diese nicht regelmässig stattfinden. Durch die gezielte Vorbereitung auf ein Treffen, können diese auch viel effizienter gestaltet werden. Mindestens einmal pro Woche trifft man sich zu einem Mittagessen mit Arbeitskollegen, damit auch der informelle Informationsfluss nicht zu kurz kommt.
Auch bei Zutt und Partner bilden die flachen Hierarchie keine Hemmschwelle für die persönliche Karriere der Mitarbeiter. Eher eingeschränkte Karrierechancen werden den Teilzeitangestellten eingeräumt. Die Einrichtung eines Telearbeitsplatzes kostet die Firma rund Fr. 10'000.--. Bei Heimarbeitsplätzen wird je nach Nutzung des Raumes auch ein Teil an die Miete bezahlt.
2.5. Zukunftsaussichten (Frage 17 - 22)
Da nur einzelne Plätze vorhanden sind, besteht die Versuchung anzunehmen, dass das Potential für die Zukunft enorm sei. Dem ist aber in den meisten Fällen nicht so. Einzig bei der Schweizer Rück und der Ascom verfolgt man konkrete Projekte und räumt dieser Arbeitsform reelle Chancen für die Zunft ein. I.d.R. hat man mit den bis anhin bestehenden Plätzen noch eine zu geringe Erfahrung gemacht, um daraus eine vernünftige Prognose ableiten zu können, oder aber die Erfahrungen gehen dahin, dass man eine Erweiterung der Individuallösungen in Richtung Standardangebot zur Zeit nicht ins Auge fasst. Die oft erwähnte Notwendigkeit der Teamarbeit scheint eines der Haupthindernisse zu sein. Chancen sieht man eher im Informatikbereich oder bei Übersetzungsdiensten. Allgemein ist eine gewisse Angst feststellbar, als Vorreiter in diesen Bereich zu investieren. Vor zu vielen Aspekten hegt man noch Befürchtungen: Kontrolle, Führung, Sicherheit, rechtliche Situation, überflüssige Hierarchien etc.
Aufgrund dieser Statements wird es in Zukunft in der Schweiz eher wenig Investitionen im Bereiche Telearbeit geben. Es wird leider vorläufig bei Individuallösungen bleiben. Telearbeit im grossen Stil kann, realistisch betrachtet, beim grössten Teil der Unternehmen in nächster Zeit nicht als festes, frei wählbares Arbeitsmodell erwartet werden.
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