4.1.2. Wahrgenommene Nachteile

 

Eine hohe wahrgenommene (ökonomische, soziale oder psychische) relative Vorteilhaftigkeit einer Innovation im Vergleich zu schon vorhandenen Alternativen wird allgemein als entscheidend wichtiger diffusionsfördernder Einflussfaktor betrachtet. Insgesamt werden von den Befragten immer noch, wenn auch mit abnehmender Tendenz, Nachteile häufiger als Vorteile der Telearbeit genannt. Diese Wahrnehmung basiert zwar auf höchst beschränkter objektiver Kenntnis und fehlender persönlicher Erfahrung bezüglich der Telearbeit und ihrer verschiedenen Formen. Trotzdem kann sie verhaltensbestimmend sein und die stagnierende Diffusion teilweise erklären.

 

Als hauptsächlichster Nachteil wurden die sozialen Kosten, d.h. die Gefahr des Verlustes von zwischenmenschlichen Kontakten und der Isolierung und "Vereinsamung" des Arbeitnehmers in seinen vier Wänden genannt. Damit in Zusammenhang steht die Meinung, Teamarbeit werde nicht mehr möglich sein. Beide Aussagen sind im Zeitablauf häufiger geworden. Hier zeigen sich Indizien für die Bedeutung der Berufsarbeit im allgemeinen, welche dem Individuum nicht nur materielle Sicherheit, sondern auch Gefühle der Zugehörigkeit zu einem Betrieb, Partizipation in einem Arbeitsteam sowie vielfältige soziale Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten vermittelt. Hier zeigen sich zudem Indizien für zunehmende Besorgnis bezüglich der Sozialverträglichkeit der technischen Innovation, Telearbeit im Speziellen. Allerdings denken die Befragten nicht daran, dass es eben auch die Variante der Telearbeit in Satelliten- oder Nachbarschaftsbüros geben kann.

 

Eine weitere Gruppe von Antworten lässt sich unter den Kategorien arbeitspsychologische und -physiologische Nachteile zusammenfassen, so z.B.:

 

Eher auf die häusliche Arbeitssituation und -moral bezogen sind Probleme wie "fehlende Ruhe daheim" und "Disziplin würde fehlen".

 

4.1.3. Ängste, Hoffnungen und Forderungen

 

Wenn die Technologie der Zukunft es den Eltern ermöglichte, mehr zu Hause zu sein, sind Veränderungen der Partner- und der Eltern-Kind-Beziehungen sowie ganz allgemein der familiären Strukturen und Rollenteilungen zu erwarten. Positive Perspektiven drücken sich beispielsweise in der Hoffnung aus, dass die Arbeit der Eltern, welche die meisten Kinder bisher nur vom Hörensagen kennen, für sie etwas sehr viel Realeres würde.

 

Ein erstaunlich hoher Anteil von fast zwei Dritteln aller Befragten stimmte jedoch noch 1987 einer indirekten (projektiven) Frage mit der folgenden Aussage zu: "Eine Änderung der Arbeits- und Lebensgewohnheiten in der Familie, bei der einer der Partner der bisher auswärts berufstätig war, wegen Telearbeit plötzlich beginnt, zu Hause zu arbeiten, könnte zu familieninternen Spannungen und Konflikten führen".

 

Ausser den Chancen der Telearbeit müssen auch mögliche Risiken der Telekommunikation gesehen werden. Neben Abhängigkeit von der Technik, Manipulierbarkeit und Zunahme des Freizeitverkehrs besteht die Gefahr einer "gespaltenen Gesellschaft" mit sozialen Spannungen zwischen Gruppen, welche von der neuen Technologie profitieren und anderen, welche damit nicht umgehen können.

 

Mit Telearbeit kommt der Arbeitsplatz zum Menschen - statt wie bisher immer umgekehrt. Die mit der industriellen Revolution des 18. Und 19. Jahrhunderts einsetzende örtliche Trennung der Lebensbereiche "Arbeiten" und "Wohnen" können zumindest teilweise überwunden und die starre Bindung des Arbeitnehmers an den Arbeitsort und die betriebsübliche Präsenzzeit seines Arbeitgebers etwas gelockert werden.

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