In Zukunft wird man den einmal ergriffenen Beruf kaum bis an sein Lebensende ausüben. Stellenwechsel und dauerndes Lernen werden das Bild prägen. Damit verbunden ist ein Trend zur Selbstverantwortung feststellbar. "Bei immer mehr Menschen in den Industrienationen setzt sich die Erkenntnis durch, dass sie ihre Lebensgestaltung in die eigenen Händen nehmen müssen, wenn sie nicht auf der Strecke bleiben wollen. Frauen sind daher zusammen mit anderen Gruppen, die lange von der Hilfe des Staates abhängig waren, auch die Vorreiter der Working-Frome-Home-Bewegung [Fischer 1997]". Die Gesellschaft erfährt einen Wertewandel, welcher eine Eigendynamik entwickelt, die heute nur schwer abschätzbar ist.
"Allerdings ist es falsch, aus diesem Wertewandel, der bei der jüngeren Generation wie auch bei Menschen mit besserer Ausbildung unübersehbar ist, auf eine wachsende Abneigung gegen Erwerbsarbeit und Leistung zu schliessen. Eine dramatische Veränderung zeichnet sich hingegen in der motivationalen Grundlage für die individuelle Leistungsbereitschaft ab. Arbeitsengagement und Arbeitsleistung werden nicht mehr durch Traditionen oder Normen vermittelt und genährt, sondern sind zunehmend an die Realisierung von Selbsterhaltungsinteressen gebunden. Arbeit soll sinnvoll sein, reich an Inhalten und Abwechslung. Sie soll mit einem hohen Mass an Selbstbestimmung und Eigenverantwortung verbunden sein, Anerkennung vermitteln, Lernen herausfordern und soziale Kommunikation ermöglichen [Gutmann 1997]".
Die Zunahme der Änderungen der Beschäftigungsverhältnisse wird durch unternehmensinterne Reorganisationen verstärkt, die lediglich auf eine Konzentration von Kernkompetenzen auf Stammbelegschaften abzielen. Dieser Flexibilisierungstrend birgt die Gefahr einer zunehmenden Verdrängung abgesicherter Arbeitsplätze [Gutmann 1997].
Man könnte in diesem Zusammenhang von einer Art Arbeit "à la carte" sprechen. Wie die obigen Ausführungen bestätigen, ist in Zukunft davon auszugehen, dass eine gewisse Kerngruppe fix angestellt bleibt und der Rest je nach Bedarf eingekauft wird. Dieses Einkaufen kann man sich im virtuellen Raum vorstellen oder durch physische Präsenz an einem gewünschten Arbeitsort. Dieser Arbeitsform stehen freilich die Gewerkschaften sehr skeptisch, um nicht zu sagen ablehnend, gegenüber [unia 1997]: "Auch wenn Arbeitgeber eine gewisse Flexibilität bei der Organisation der Arbeit in ihren Betreiben brauchen, dürfen sie die wirtschaftlichen Risiken des schwankenden Arbeitsanfalles nicht einfach auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abwälzen. Normale Arbeitsbedingungen beinhalten regelmässige Arbeitszeiten und feste Monatslöhne. Abweichungen davon dürfen nur Ausnahmen sein und keinesfalls überhand nehmen. Ungeachtet der Form des Arbeitsverhältnisses muss der Lohn jeden Monat gleich hoch sein, denn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind auf ein regelmässiges Einkommen angewiesen. Vor allem müssen sie die Höhe ihres Lohnes zum Voraus kennen. Bei fester Anstellung mit unregelmässigem Stundenplan müssen die Beschäftigten früh genug über ihren nächsten Einsatz Bescheid wissen, um sich entsprechend organisieren zu können. Abmachungen über Arbeitsbedingungen müssen in Gesamtarbeitsverträgen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelt und für alle Branchen und Betreibe festgelegt werden. Nur so ist es möglich, die einzelnen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Missbrauch wirksam zu schützen".
Vor diesem Hintergrund wächst der Druck der Unternehmen, die Arbeit mittels Outsourcing auszulagern. Der Arbeiter wird als Selbständiger seine Arbeitskraft anbieten müssen, oder er wird aus dem wirtschaftlichen Leistungserstellungsprozess gänzlich ausgeschlossen. Herr Zutt jr. hat denn auch im Interview den Untergang der Gewerkschaften vorausgesagt. Der Einfluss dieser sei in Zukunft minim bis verschwindend.
Der Weg bzw. die Alternative besteht zwischen Arbeitslosigkeit oder Selbständigkeit. Es ist zu erwarten, dass der Trend hin zum "global village" weiter vorangetrieben wird. Die immer stärkere Integration und Vernetzung der Medien und der damit verbundenen Verfügbarkeit von Informationen aber auch Arbeitskräften wird diesem Trend den nachhaltigen Durchbruch verschaffen. Die Aufgabe wird darin bestehen, den Weg in die Selbständigkeit zu sehen und die Chance aber auch Herausforderung anzunehmen. Mit gewerkschaftlichen Einschränkungen oder Verweigerung kann in diesem Fall wenig bis nichts erreicht werden. Mittels moderner Kommunikationstechnik kann ebenfalls ein Programmierer in den USA für einen Betrieb in der Schweiz tätig sein.
Es braucht ein Umdenken auf allen Ebenen. Eine Verhärtung der Fronten würde zu keiner Lösung führen.
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