Wie bei den Arbeitnehmern wird es auch bei den Managern zu erheblichen Veränderungen - die nicht minder tiefgreifend sein werden - kommen. Die Struktur und die Verfahren, mit denen Manager ihre Ziele erreichen, werden sich ändern müssen. Es wird nicht mehr darauf ankommen, Anweisungen zu geben, sondern darauf, den reibungslosen Ablauf von Prozessen zu gewährleisten [Davidow/Malone 1993].
4.3.1. Das Ende des mittleren Managements
Mit dem Abbau der Hierarchien ist eine Reduktion bis hin zur Eliminierung des mittleren Managements verbunden. "Das mittlere Management diente vor allem als Informationskanal, um den Topmanagern ihre Entscheidungsgrundlagen zu liefern, und in umgekehrter Richtung, um Befehle von oben an die Belegschaft weiterzugeben. Diese Funktionen sind überflüssig geworden, weil Computernetze die Daten der Betriebsabläufe effizienter und effektiver als Menschen transportieren können. Auch geben Topmanager, die sich bewusst als Trainer und Motivatoren verstehen, weniger Anweisungen; damit können Prozesse ungestörter ablaufen und die Mitarbeiter selbst entscheiden, was zu tun ist. Und wenn Mitarbeiter selbst entscheiden, was sie tun sollen, und gründlich darin ausgebildet werden, wie sie dies richtig tun, dann braucht man auch weniger mittlere Manager, die ihr Handeln steuern [Davidow/Malone 1993]".
Die Tendenz hin zu flachen Hierarchien wurde bereits mehrfach erwähnt. Die heutigen hierarchischen und direktiven Management-Systeme wurden für die Massenfertigung der Jahrhundertwende entwickelt. "Sie stammen aus einer vergangenen Zeit, in der sie starre Fliessbandstrukturen kontrollieren mussten - ohne Computer. Diese Management-Systeme passen ebensowenig in unser bewegliches und interaktives Wirtschaftsleben wie die Pferdekutschen auf die Strasse [Davidow/Malone 1993]".
Für die Anforderungen eines modernen Unternehmens haben sich diese hierarchischen und autoritären Management-Systeme als ungeeignet erwiesen. Managementebenen bedeuten Genehmigungsebenen, und Genehmigungsebenen brauchen Zeit. Je höher die Ebene, desto weiter ist der Entscheidende vom Markt entfernt. Zeit ist die wertvollste Ressource des virtuellen Unternehmens, bei der es sich Verschwendung am wenigsten leisten kann. Eine logische Folge der abgeflachten Organisation ist, dass die übriggebliebenen Manager gezwungen sind, eine deutlich grössere Kontrollspanne zu übernehmen. Die traditionelle militärische Schule vertritt die Lehre, dass ein Offizier eine Gruppe von etwa sechs Männern optimal führen kann. Nach Professor J. Brian Quinn kann die Kontrollspanne eines Managers bis zu 200 Mitarbeiter umfassen. [Davidow/Malone 1993].
Um jedoch eine solche Ausweitung der Kontrollspanne zu bewältigen, sind neue Management-Informations-Systeme nötig. "Ein Grossteil eines jeden Organisationsstabes ist nicht damit beschäftigt, etwas zu produzieren, sondern zu koordinieren. Sie sind de facto Informationskanäle, eine Art menschlichen Datennetzes. Das kann die Technik in vielen Fällen besser und schneller. Werden die Managementebenen verdichtet und verteilt man das System über das gesamte Unternehmen, dann bieten Management-Informations-Systeme Beweglichkeit und kurze Reaktionszeiten, die Optionen offenlassen [Davidow/Malone 1993]". Jedoch wird die Technik alleine mit den Problemen der erweiterten Kontrollspannen und fliessenden Organisationsstrukturen nicht fertig werden. Gerade das irrationale, subjektive und intuitive Wissen kann mittels Technik nicht erfasst werden.
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