Der Grundtypus künftiger Organisationen ist jener der sich selbst entwickelnden Netzwerke, kleiner, sich selbst entwickelnder, unternehmerisch autonomer Teams. Das Zeitalter jener Manager, welche als souveräne Lenker eines Unternehmens betrachtet wurden, dessen Vierspänner "Planen - Entscheiden - Anweisen - Kontrollieren" heisst und die mit Hilfe dieses Gespanns einen Apparat so dirigieren, dass er sich genau so entwickelt, wie ihr Beherrscher es geplant hat, ist vorbei [Lutz 1997].

 

"Der neue Manager ist besonders häufig eine Managerin und thront nicht mehr in einsamer Macht inmitten seiner Statusinsignien. Er/sie ist teamorientiert, und immer häufiger wird sich die Management-Funktion mit andern Aufgaben durchmischen. Management bedeutet, dazu beizutragen, dass Menschen möglichst wirksam miteinander und mit ihren Hilfsmitteln zusammenwirken können. Das bedeutet, Menschen zu finden und ihnen zu Fähigkeiten zu verhelfen, die den künftigen Bedürfnissen entsprechen, Bedingungen zu schaffen, die den Individuen und Teams das Lernen, die Meinungsbildung, die Entwicklung neuer Ideen und Ansätze erleichtern, zu sehen, wo es harzt und was dagegen zu tun ist, für geeignete Unterstützung und Rahmenbedingungen zu sorgen, Hindernisse zu beseitigen, anzuregen zum Dialog über neue Visionen, Erfolgskriterien, Anreizsysteme und Methoden... [Lutz 1997]".

 

4.4. Die Vermittler

 

Zwischen Unternehmung und Arbeitnehmer stehen oder standen die Gewerkschaften als Vermittler. Es wurde bereits erwähnt, dass mit den neuen Arbeitsmodellen die Existenz der Gewerkschaften gefährdet ist. Dies hängt mit der zunehmenden Autonomie des Arbeitnehmers zusammen, der als selbständiger Vertragspartner dem Arbeitgeber gegenüber tritt.

 

"Das Zeitalter der Massengewerkschaften, deren Macht und Einfluss darauf beruhte, dass die Verbindung zwischen sozialdemokratischer Politik und Kollektivvertragsverhandlungen die Durchsetzung eines Angebotsmonopols im Arbeitsmarkt ermöglichte - dieses Zeitalter ist eindeutig vorbei. Das bedeutet aber nicht, dass nicht gerade in der Zeitwende gewisse gewerkschaftliche Funktionen besonders dringend benötigt würden. Jene Gewerkschaften, die sich darauf einzustellen wissen und die schwierige Neupositionierung zum Anbieter von Fitness- und (Re-)Integrationsdienstleistungen sowie zur politischen Lobby der Schwächsten schaffen, werden nicht nur überleben, sondern an Bedeutung gewinnen [Lutz 1997]".

 

Christian Lutz sieht denn auch folgende Aufgaben, welche die Gewerkschaften in Zukunft zu erfüllen haben [Lutz 1997]:

 

  1. Nicht alle Arbeitnehmer entsprechen dem Bild jenes "Lebensunternehmers", der seinem Bildungs- und Qualifikationsniveau, seiner Persönlichkeitsent-wicklung und seiner Lebenserfahrung entsprechend einem Arbeitgeber als gleichgewichtiger Verhandlungspartner gegenübertreten kann. Gewerkschaften könnten sich also als Dienstleister verstehen, die ihren Kunden helfen, sich für diese Position fit zu machen, mit juristischer Hilfe, Entwicklung von Verhandlungskompetenz, Hilfe zu beruflicher und persönlicher Weiterentwicklung etc.
  2.  

  3. Die Gesellschaft wird zwingend ein Auffangnetz für die wachsende Zahl von Abgestürzten und Ausgesteuerten benötigen. Jeder Beschäftigte läuft Gefahr, früher oder später zu dieser Gruppe zu stossen, und hat dementsprechend Interesse daran, sich für diesen Fall abzusichern. Während die finanzielle Absicherung teils durch staatliche Sozialleistungen und teils durch individuelle und kollektive Versicherungsleistungen übernommen werden kann, könnte es sich durchaus als sinnvoll erweisen, wenn die Umschulungs- und Coaching-Dienste, die zur Re-Integration ins Arbeitsleben erforderlich sind, von Gewerkschaften bereitgestellt würden.
  4.  

  5. Die Flexibilisierung und Autonomisierung der Arbeitsverhältnisse hinsichtlich Arbeitszeiten, -inhalten und -orten eröffnet für skrupellose Arbeitgeber neue bzw. längst überwunden geglaubte Möglichkeiten der Ausbeutung von Abhängigen: Auftragsverhältnisse können auch Akkordarbeit zu Hungerlöhnen an Heimarbeitsplätzen bedeuten. Hier können Gewerkschaften an frühere Traditionen als Lobby für den Rechtsschutz zugunsten potentieller Ausbeutungsopfer anknüpfen.
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