4.5. Rahmenbedingungen

 

Soziale, familiäre aber auch ethische Fragen werden im Zusammenhang mit Telearbeit oft zitiert. Die Isolation, die Ablenkung durch Familienmitglieder, die Karriereeinschränkungen aber auch der fehlende informelle Informationsfluss bilden oft Diskussionspunkte. Des Weiteren gilt es die gesamten externen Effekte (Umweltemissionen etc.) in einem Gesamtbild zu sehen.

4.5.1. Das persönliche Umfeld

 

Wenn man den Umfragen glauben schenkt und die internationalen Tendenzen verfolgt, so ist eindeutig festzustellen, dass die isolierte Teleheimarbeit zu den äussersten Ausnahmefällen zählt und zudem wird sie meist nur für beschränkte Zeit eingerichtet. Ein regelmässiger Kontakt zu Kollegen und Kunden scheint unabdingbar zu sein. Es wird von vielen Arbeitnehmern gewünscht, aber auch von einigen Unternehmungen vorgeschrieben.

 

Auf der anderen Seite steht der vermehrte Kontakt zur Familie. Da Arbeitswege dahinfallen und i.d.R. auch die Mittagspause zu Hause stattfindet, kann der Kontakt intensiver sein. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass heute oft Mann und Frau berufstätig sind, und die Kinder in Schule oder Ausbildung, von wo sie am Mittag auch nicht nach Hause kommen. Also insofern trifft der vermehrte familiäre Kontakt nur auf eine beschränkte Gruppe zu, die an den urtümlichen Rollenverteilungen festhalten. Die Kombination - oder vielleicht besser ausgedrückt die Quadratur des Kreises - von Arbeit und Kinderbetreuung scheint, wie auch die Umfragen bestätigt haben, nur schwer - um nicht zu sagen gar nicht - realisierbar.

 

Vom ethischen Standpunkt her betrachtet entspricht die Bildschirmarbeit zu Hause - vorausgesetzt gewisse Arbeitsplatztechnischevorschriften werden eingehalten - denjenigen im Betrieb. Hier können also aus ethischer Sicht gegen die Arbeitsform Telearbeit keine Einwände angebracht werden.

 

4.5.2. Gesamtgesellschaftliche Aspekte

 

Ein nicht zu unterschätzender gesamtgesellschaftlicher Punkt bildet der Umweltaspekt. Die durch Telearbeit dahinfallenden Pendlerströme können auf der anderen Seite zu vermehrtem Freizeitverkehr und -aktivitäten führen. Ebenfalls ist zu berücksichtigen, dass gerade bei alternierenden Telearbeitern ein gewisser Teil der Infrastruktur oft doppelt - oder auf alle Fälle mehr als dauernd benötigt würde - vorhanden ist. Der Faktor Umwelt (Energie - Erdölschock 1973), welcher als Auslöser der Telearbeit stand, könnte sich zum Bumerang entwickeln und die erhofften Einsparungen bei Weitem mit Mehrverbrauch an anderen Ressourcen kompensieren bzw. zunichte machen.

 

Ein anderer gesellschaftlicher Aspekt ist der Transfer von Wissen und Arbeitsplätzen in strukturschwache Randregionen. Nach dem alten Sprichwort: "Wer einem Manne einen Fisch schenkt, gibt ihm für einen Tag zu essen. Wer ihn das Fischen lehrt, gibt ihm ein Leben lang zu essen", könnte man im Sinne eines interkantonalen Ausgleiches vielleicht folgendermassen vorgehen:

 

Anstelle des oft diskutierten und umstrittenen interkantonalen Finanzausgleiches wäre es sinnvoller, Arbeitsplätze in Rand- und Bergkantone zu verlegen. Diesen Regionen wäre damit entschieden besser geholfen als mit reinen Finanzhilfen. Schon allein innerhalb eines Kantons würde hier den Regierungen ein grosser Spielraum offenstehen, um im eigenen Kanton einen Ausgleich zu schaffen. Doch die oft sehr zentral organisierten Regierungen unserer Kantone tun sich in den meisten Fällen sehr schwer mit der Verlagerung von Arbeiten ausserhalb der Kantonshauptstadt. Der ganze Verwaltungsapparat hat man am liebsten am selben Ort, so funktioniert auch die Verwaltungsmühle besser - sprich langsamer. Insofern wird dieser Vorschlag wohl eher Wunsch bleiben denn Realität werden.

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