Bei der Suche nach Interviewpartnern konnte eindeutig festgestellt werden, dass der Begriff Telearbeit oft nicht bekannt, und Arbeitsplätze die in den Definitionsbereich der Telearbeit gehören, nur vereinzelt vorhanden sind. Ausnahmen bildeten, wie bereits einleitend erwähnt, die persönlich aufgesuchten Unternehmungen. Die Resultate der Umfrage werden im Folgenden aufgrund der klaren Zweigliederung der Ausgestaltung der Plätze immer in zwei Gruppen aufgeteilt - in diejenigen, die nur vereinzelt solche Plätze anbieten und in diejenigen, die diese neue Arbeitsform als ein eigentliches Arbeitsmodell zur Auswahl anbieten.
2.2. Art und Anzahl der Arbeitsplätze (Frage 1 - 3)
Bei den telefonisch befragten Unternehmen sind ein bis zwei Arbeitsplätze vorhanden. Dies widerspiegelt die Hauptform der Verbreitung von Telearbeit in der Schweiz. Mehrheitlich handelt es sich bei diesen Arbeitsplätzen um Frauen, welche nach der Geburt eines Kindes, während dem Mutterschaftsurlaub und teilweise auch länger, den Anschluss zum Betrieb, und somit ihren Job, nicht verlieren wollen.
Es handelt sich hier um eine Form der temporären Bildung von Telearbeitsplätzen. In gewissen Fällen ist sie als alternierende Telearbeit ausgestaltet. D.h. an Tagen, an welchen man für das Kind einen Betreuungsplatz findet, arbeitet man im Betrieb, an den restlichen von zu Hause aus. Hierbei gilt anzumerken, dass die Arbeit von zu Hause aus neben der Betreuung des Kindes in keinem Falle eine 100% Stelle sein kann.
Vereinzelt sind auch feste Telearbeitsstellen eingerichtet. Hierbei handelt es sich um Sekretariatsaufgaben: Textverarbeitung / Offertwesen / Übersetzungsdienste etc. Daneben praktizieren viele Firmen die Einstellung von freien Mitarbeitern, die dann von zu Hause aus für die Unternehmung tätig sind. Inwieweit jedoch die freien Mitarbeiter noch unter den Begriff Telearbeit fallen, ist sehr fraglich. In diesem Falle wäre es besser von einem Outsourcing auf Zeit zu sprechen, denn vielfach treten diese Mitarbeiter als selbständig Erwerbende auf.
2.2.2. Telearbeit als Arbeitsmodell
Unternehmen, die ihren Arbeitern die Wahl zwischen einem "normalen" Arbeitsverhältnis und Telearbeit überlassen, gelten zur Zeit noch als wahre Pioniere. Folgende Unternehmen haben diesen Schritt zumindest in Teilbereichen gewagt: Credit Suisse, Foyer Handicap, IBM sowie Zutt und Partner.
Bei der Credit Suisse wird im Zusammenhang mit Telearbeit fast ausschliesslich von Satellitenbüros gesprochen, sogenannte Workcenters. Diese existieren für den Informatikbereich, d.h. die Anwendungsentwicklung. Heimarbeitsplätze existieren bei der CS nicht als Modell, jedoch bestehen auch hier vereinzelte Individuallösungen. Dies gilt wie bei den meisten anderen Betrieben v.a. für die Überbrückung des Mutterschaftsurlaubes bzw. bei längeren Abwesenheiten nach einem Unfall. Die gesamtschweizerisch rund 220 Arbeitsplätze in Workcentern bei der CS existieren seit 1985. Es hat jeder Mitarbeiter die freie Wahl, ob er im Hauptsitz in Zürich oder in einem Satellitenbüro tätig sein will.
Ein etwas spezieller Fall bildet das Foyer Handicap in Neuenburg. Die rund 20 Arbeitsplätze existieren seit 1995 und sind teils als Nachbarschaftsbüro teils als Heimarbeitsplätze organisiert. Das Hauptmerkmal besteht hier darin, dass ausschliesslich behinderte Menschen tätig sind. Insofern stellt sich auch hier die Frage, inwieweit von reiner Telearbeit gesprochen werden kann. Da die Mitarbeiter im Nachbarschaftsbüro gar nicht vor der Wahl stehen, ob sie zu Hause oder im Nachbarschafsbüro tätig sein wollen. Man arbeitet in gemeinsamen Büroräumlichkeiten für unterschiedliche Auftraggeber mittels moderner Kommunikationsmittel. Es ist ein eigenständiger Betrieb mit einem festen Kundenstamm (z.B. Internetauftritt für Uni Neuenburg). Man arbeitet also in einem Auftragsverhältnis. Im Gegensatz dazu sind jedoch diejenigen, die von zu Hause aus für das Foyer Handicap tätig sind, Telearbeiter, da sie vom Foyer Handicap angestellt sind. In diesem speziellen Fall kann nicht von der freien Wahl des Heimarbeitsplatzes gesprochen werden, sondern von der Tugend, die aus der Not entstand - also Arbeitsplätze für Behinderte, die nur eingeschränkt oder überhaupt nicht mobil sind. Für viele bedeuten die modernen Kommunikationsmittel das Tor zur Welt und zwar im eigentlichen Sinne. Behinderte, die auf gewisse medizinische Apparate angewiesen sind, können das Haus gar nicht - oder wenn, dann nur mit einem erheblichen Aufwand verlassen. Für diese Leute ist die in den letzen Jahren rasante Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten nicht nur als Datenautobahn sondern auch als Bahn zu den Mitmenschen zu verstehen.
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