Da bei den Lohnkosten kaum Einsparungen zwischen Telearbeitsplätzen und "normalen" Arbeitsplätzen festgestellt worden sind,21 werden die Auswirkungen auf die Produktivität um so bedeutender. Produktivität eines Arbeitsträgers wird "als das Verhältnis der gesamten Produktionsmenge eines Betrachtungszeitraumes zu der für die Erzeugung verbrauchten Einsatzmenge"22 definiert. Die Messung einer Produktivitätssteigerung ist jedoch im Büro- und Verwaltungsbereich äusserst schwierig. Trotzdem wird eine Produktivitätssteigerung durch Telearbeit sehr oft vermutet.23 "Für die Texterfassung konnte beim Modellversuch Schaffung dezentraler Arbeitsplätze unter Einsatz von Teletex des Landes Baden-Württemberg festgestellt werden, dass die durchschnittliche Schreibleistung, trotz gewisser Schwankungen, über dem Wert vergleichbarer zentral beschäftigter Arbeitskräfte lag, obwohl keine ergebnisorientierte Entlöhnung vereinbart wurde. Auch bei Siemens wurde bei seitenorientierter Bezahlung ermittelt, dass bei Telearbeit Qualität und Arbeitsproduktivität grösser sind als bei vergleichbarer Büroarbeit."24 Schätzungen über Produktivitätssteigerung von amerikanischen Firmen, welche Telearbeit eingeführt haben, gehen von 10-920%.25
Wie die Produktivität ist die Qualitätssteigerung schwierig messbar. Aus ähnlichen Gründen - Reduktion von Störungen, Anpassung der Arbeitszeiten an den eigenen Lebensrhythmus respektive an die Leistungsfähigkeit - ist jedoch nicht nur eine quantitative, sondem auch eine qualitative Steigerung anzunehmen.26 Empirische Untersuchungen existieren bei Text-, Datenerfassung und Programmierung. "Überwiegend wird die Fehlerquote - Rechtschreibe- und Tippfehler -bei Text- und Datenerfassung in Heimarbeit als relativ gering angegeben. Beim oben erwähnten Modellversuch zur Schaffung dezentraler Arbeitsplätze unter Einsatz von Teletex des Landes Baden-Württemberg wurde dagegen eine Tendenz zu einer geringeren Schriftgutqualität für die dezentrale Texterfassung festgestellt. weiter
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21) Vgl. Lenk Thomas, Telearbeit, Berlin 1988, S. 49ff / Vgl. Kapitel 3.1.1 Auswirkungen auf das Einkommen Vgl. aber Kapitel 3.4 Mitwelt.
22) Vahlens grosses Wirtschaftslexikon, München 1993, S. 1722.
23) Gründe für die Vermutung sind effizientere Arbeitsorganisation und erhöhte Arbeitsintensität. Auch der Wegfall des Arbeitsweges, welcher insbesondere im Auto sehr stressig sein kann und die höhere Motivation können als Ursprung der Produktivitätssteigerung dienen. Vgl. Lenk Thomas, Telearbeit, Berlin 1988, S. 53f/ Vgl. Jaeger/Bieri/Dürrenberger, Telearbeit - von der Fiktion zur lnnovation, Zürich 1987, S. 23f.
24) Lenk Thomas, Telearbeit, Berlin 1988, S. 50.
25) Die Zahl 920% stammt von der Federal Reserve Bank von Atlanta, welche massiv in Telearbeit investiert hat. Vgl. Lenk Thomas, Telearbeit, Berlin 1988, S. 52 / Die Prognose AG in Basel hält eine Produktivitätssteigerung von 11% als realistisch. Vgl. Stolz Markus, Handelszeitung, Nr. 15, 11. April 1996, S. 15 .
26) Vgl. Lenk Thomas, Telearbeit, Berlin 1988, S. 56.
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