Das rechtzeitige Erkennen von Entwicklungen wird für Unternehmungen dadurch erschwert, dass sowohl die Anzahl Elemente, die bei einer strategische Entscheidung berücksichtigt werden müssen, als auch die benötigten Reaktionsgeschwindigkeiten zunehmen. Ausserdem lässt sich eine Scherenentwicklung feststellen, zwischen abnehmenden durchschnittlichen Produktlebenszykluszeiten und länger werdenden Produktentwicklungszeiten. Es ist intuitiv verständlich, dass bei einer solchen Ausgangslage der Umgang mit Information, und damit verbunden, die Produktion und das Management von Wissen, zur Ressource von zentraler Bedeutung werden, denn sie vermögen die Hauptschwierigkeit dieser Konstellation - das Orientierungsproblem, in welchem sich die Entscheidungsträger befinden - besser zu handhaben. Dabei gilt es jene Flexibilität aufzubauen, die über ein reaktives "Fit-Denken" hinaus, ein Agieren in einer sich stets ändernden Umwelt erlaubt. Sich über wissensgenerierende Prozesse einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen und in neue Märkte vorzustossen, ist sowohl mit Hilfe von Telearbeit als auch ohne möglich. Vom Verfasser behandelte Fallstudien zeigen dies deutlich.
Vielfach wird die Wirkung der modernen Informations- und Kommunikationstechniken nur als eine kontinuierliche Verbesserung von bereits existierenden Ideen und Konzepten aufgefasst. Im Raume stehen auch Vorurteile, die aus den ersten Versuchen mit Tele-arbeit herrühren und (zu Recht) die Gefahr sozialer Isolation betonen. Hinzu kommt oft die arbeitswissenschaftliche Polarisierungsthese, wonach Telearbeit entweder für hochgradig qualifizierte Arbeitskräfte relevant ist, die diese Arbeitsweise wegen hoher zeitlicher Opportunitätskosten wählen, oder dann wieder für Menschen in repetitiven, untergeordneten Funktionen.
Dem ist entgegenzuhalten, dass der Umgang mit einer neuen Technik, das Erlernen der damit verbundenen Chancen und Risiken seine Zeit braucht. Erst dann kann die Technologie greifen und ihr Potential diffundieren. Bei den heute auf zunehmend breiterer Basis genutzten Möglichkeiten von Telefon, Telefax, e-mail und voice-mail sind Merkmale, die in diese Richtung deuten, beobachtbar. Immer mehr besteht das Problem nicht in der Beschaffung von genügend Information, sondern in deren Selektion. Die Anwender moderner Bürotechnologie müssen vermehrt selbständig entscheiden, was für sie relevante Information darstellt und was nicht. Dies eröffnet aber einen gestalterischen Spielraum. Damit dieser genutzt wird, bedarf es eines Grundsatzentscheides seitens der Unernehmungsführung, welcher der Unternehmungskultur Rechnung trägt und die mit dem Technologieeinsatz verfolgte Absicht klar formuliert. Erfolgt dieser Positionsbezug nicht, besteht die Gefahr, dass die eingesetzte Informationsstechnologie (IT) zur treibenden Kraft wird und sich Organisation und Kultur in eine unbeabsichtigte Richtung entwickeln.
Beispielsweise stellt die Möglichkeit, auf Datenbanken oder Expertensysteme zurückgreifen zu können, richtig genutzt, ein wertvolles Hilfsmittel dar. Allerdings muss man sich auch deren Grenzen bewusst sein, denn sie vermitteln höchstens explizite Wissenszusammenhänge. Richtiges Wissensmanagement hat allerdings sehr viel mit Austausch von impliziten Wissenskomponenten zu tun, bzw. deren ?berführung in explizites Wissen. Es geht deshalb nicht alleine um wirtschaftlich effizientes Handeln. Entscheidend ist der Effektivitätsgrad. Auf den Zusammenhang bezogen heisst das: es geht darum, über Organisation, Führungsstil und Kommunikationskultur die Voraussetzungen zu schaffen, damit die Produktion von Wissen möglich wird. Gelingt die Ueberführung impliziter Wissensbestände in explizite und umgekehrt, dann verfügt die betreffende Organisation über eine absorbtive Kapazität, und somit über eine Voraussetzung zur Lösung des eingangs erwähnten Orientierungsproblems. weiter
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