In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass Organisationen an sich nicht lernen können, sondern nur deren Mitglieder, das heisst die einzelnen Menschen.Viele dieser Lernvorgänge funktionieren nur über den persönlichen Austausch zwischen den Organisationsmitgliedern, andere können aber gerade durch telekommunikativen Austausch begünstigt werden.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist in diesem Zusammenhang die Koordinationsfrage besonders wichtig. Die Implementierung von Telearbeit begünstigt flachere Hierarchien und dezentrale Strukturen. Deshalb sind die kommunikativen Schnittstellen bewusst zu gestalten. Informationseinheiten schneller zu übermitteln und mehrfach zu nutzen (eine sinnvolle Implementierung vorausgesetzt und in Kombination mit "face-to-face" Kontakten) bedeutet jedoch, über ein Instrument zu verfügen, das den Koordinationsaufwand senkt. Führungsmässig bedeutet Telearbeit mehr MbO, was intrinsisch motivierend wirken und einer faireren und objektiveren Leistungsbeurteilung förderlich sein kann.
Ein Unternehmen, das mit dieser Arbeitsform schon Erfahrung gesammelt hat, ist Zutt & Partner. Vor knapp zwanzig Jahren gegründet, entwickelte es sich von der Werbe-agentur im herkömmlichen Sinn zur "Net-Agency", wie das Unternehmen sich selber nennt. Die Palette der schon im Briefkopf angebotenen Dienste umfasst "Net-Advertising", "Direct-TVÆ", "Telecommuting." Seit 1994 ist der Werber auch Schweizer Koordinator der europäischen Vereinigung zur Förderung der Telearbeit (ECTF). Letztere wird nicht nur als Beratungsdienst angeboten, sondern ist, wo nicht ìface-to-faceî Kontakte als unumgänglich angesehen werden, die Art, wie Kommunikation innerhalb der Unternehmung praktiziert und gegen aussen demonstriert wird. Ebenfalls im Briefkopf ist ausser dem Hauptsitz (seit kurzem identisch mit dem Wohnhaus des Firmengründers) auch angegeben, mit welchen Filialen (in der eigenen Sprache "Zellen" genannt) dieser "vernetzt" ist. Zutt & Partner ist bestrebt, technische Neuerungen mit dem eigenen Wissen zu etwas neuem zu kombinieren. Die Werber sind überzeugt, dank der Abstützung auf Telearbeit im eigenen Unternehmen, effizienter zu kommunizieren. Und zwar, weil mehr Zeit für jene Angelegenheiten zur Verfügung steht, für die sich die Mitarbeiter wirklich treffen wollen. Sie gehen von der Regel aus, wonach 80% der Kommunikation bzw. "Führungskommunikation" kein unmittelbares Feedback brauche. Dafür können bei Zutt & Partner die verbleibenden 20% umso gezielter für den persönlichen Kontakt eingesetzt werden. Basierend auf der eigenen langjährigen Erfahrung möchte Zutt & Partner das aquirierte Wissen kommerzialisieren. Dieser Bereich steht heute allerdings noch in keinem nennenswerten Verhältnis zu den übrigen Tätigkeiten der Agentur. Grundsätzlich beinhaltet das Know-how, das Zutt & Patner verwerten möchte, keine revolutionären Elemente. Es geht vielmehr um die Ausschöpfung eines Potentials, das, was die technische Dimension angeht, latent in vielen Organisationen vorhanden ist.
Spielen der visuelle Kontakt, das Aufnehmen von Emotionen des Gegenübers eine wichtige Rolle, sitzen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch bei Zutt & Partner um einen Tisch. "Brain-Writing" wird ein Verfahren genannt, das als eine Mischung aus Telefonkonferenz und Internet-Diskussionsforum beschrieben wird. Das geht so vor sich, dass einzelne oder Gruppen vom jeweiligen Standort aus, vor einem Bildschirm sitzen und zu einem Thema Ideen zusammentragen. Daneben wird die jeweilige Stimmung in den einzelnen Einheiten durch die eingeschalteten Lautsprecher der Telefone übertragen. Nach der vereinbarten Zeit betätigen alle die Eingabetaste und das vorher Eingegebene wird für alle gleichzeitig sichtbar. Ähnlich funktionieren sogenannte ìKurzbriefingsî, bei denen es sich nicht lohnt, alle um einen Tisch zu holen, aber doch das Projekt innerhalb von ein paar Tagen stehen muss. Diejenigen, welche die Geschäftsleitung an einem Konzept beteiligen möchte, werden via Mailbox aufgefordert, sich bis zu einem gewissen Termin Gedanken zum jeweiligen Thema zu machen. Weitet sich das Problem im Laufe der Lösungssuche aus (bzw. wird es geöffnet), lassen sich so leicht auch andere Mitarbeiter miteinbeziehen. weiter
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