Seit der Einführung von Telearbeit ist bei Zutt und Partner das Ausmass der Kommunikation gestiegen, weil Mitteilungen verzögerungsfrei in die Arbeitsabläufe einfliessen können. Der gleiche Befund ist auch anhand des Telearbeitsversuchs bei IBM Deutschland konstatiert worden.

Technologischer und gesellschaftlicher Wandel

Telearbeit ist ein Begriff, der mit wechselnder Intensität schon länger diskutiert wird. Die Verbesserung zumindest der technischen Möglichkeiten, Information zu gewinnen, zu speichern, zu verarbeiten und zu verteilen, haben in der Arbeitswelt dem Thema neuen Auftrieb gegeben. Als Instrument der Arbeitsflexibilisierung, das den im Arbeitsprozess involvierten Menschen erlaubt, dem Wandel des Anforderungsprofils ihrer Tätigkeit zu begegnen, verbunden mit der Chance, auch ihrem Privatleben Rechnung zu tragen, bringt Telearbeit unter Umständen das wahre Potential der modernen Informationsverarbeitungs- und Kommunikationsmöglichkei-ten zum Vorschein. Die Veränderungen im Umgang mit PC, Faxgerät, voice- und e-mail sind vielleicht auf den ersten Blick weniger spektakulär als die Erfindung der Dampfkraft, dennoch haben sie einen grundlegenden Wandel in der Konzeption von Arbeit und damit in der Gestaltung von Privat- und Arbeitswelt eingeleitet.

Dadurch, dass das Marketing immer mehr auf das "World Wide Web" als Medium zurückgreift, und somit auch kundenseitig telekommunikative Interaktion bewirkt, darf tendeziell erwartet werden, dass Akzeptanz und Identifikation mit dieser Arbeitsform erhöht werden. Der Schritt vom Blättern in virtuellen Katalogen oder vom Abrufen ganzer Diensteleistungspakete über den Heim-PC bis zur Übermittlung der eigenen Arbeitserzeugnissen oder dem Herunterladen von benötigten Informationsbestandteilen für berufliche Zwecke ist eigentlich klein. Es gehört jetzt schon zum Alltag von Informatikdienstleistungs-Anbietern, gewisse Kundenapplikationen auf Distanz zu betreuen.

Allerdings haben sich in der Vergangenheit wiedeholt Prognosen nicht bewahrheitet, die eine schnelle Zunahme "telearbeitender" Menschen vorausgesagt hatten. Die Gründe sind vielschichtig. Mit Sicherheit hat jedoch die mentale Einstellung der Betroffenen damit zu tun. Wie gewisse Autoren zu Recht betonen, gilt es bei Telearbeit zu begreifen, dass es um mehr geht als einen PC mit einem Modem in eine Wohnung zu stellen. Es geht um eine eigentliche "sozio-technische" Innovation. Die Einstellung von Führungskräften zur personellen Führung dürfte da und dort auch eine Rolle spielen: Das Mitarbeiterführung nicht ständiges ?ber-die-Schultern-Schauen bedeutet, ist eben auch eine Art Lernprozess. Weitere Gründe dürften mit der kulturell bedingten Einstellung zu Mobilität und Technik, bzw. Kommunikation zusammenhän-gen, was sicher zu einem gewissen Teil die stärkere Verbreitung dieser Arbeitsform in den U.S.A. vs. der Schweiz erklärt. Im gleichen Zusammenhang ist auch ein rein wirtschaftspolitischer Faktor zu sehen: Die der Telekommunikation zugrundeliegende Angebots- und Kostenstruktur ist in den Vereinigten Staaten durch die herrschende Konkurrenz günstiger, währenddem in der Schweiz eine (noch) monopolartige staatliche Regiebetriebsituation gegeben ist.

Inwiefern Effizienz und Effektivität des Wissensmanagements durch diese Form der Arbeitsorganisation betroffen sind, hängt sehr stark damit zusammen, wie Telearbeit in die Kommunikationswege und in die Entscheidungsfindungsprozesse integriert wird. Je nach Implementationsart kann sie dazu beitragen, die beschriebenen wissensgenerierenden Prozesse zu initiieren oder zumindest anzureichern. Voraussetzung bleibt aber die Lösung des Orientierungsproblems. Telearbeit an sich kann es nicht lösen. Aber Telearbeit als Gestaltungsmöglichkeit des Arbeitsalltags kann dazu beitragen, wissensgenerierende Prozesse zu begünstigen und auf diese Weise die Bildung von Ressourcen erleichtern, auf denen eine dynamische Kernkompetenz entwickelt werden kann. weiter




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