Aber auch der Monolog, bedingt durch den Umgang mit den verschiedenen Kommunikationskanälen, sei viel bewusster. Die geschriebene Sprache, in einer Werbeagentur Teil des Kapitals, erhalte so einen viel höheren Stellenwert. Hans Peter Zutt: «Ich möchte behaupten, dass einige Leute dieser Firma durch den täglichen Umgang mit der deutschen Sprache, ihren Stil erheblich verbessert haben.»

Die Biologie als Vorbild

Aufgebaut ist der ganze Betrieb nach dem «Zellenprinzip». Zutt liebt es, seine Arbeitsform in den Bereich der Biologie anzusiedeln: Es gibt Ein- und Mehrzeller (mit und ohne Familie). Wichtig dabei sei der geeignete «Nährboden». Denn, so der Chef, es mache ja keinen Sinn, einen «Single» mit Kontaktschwierigkeiten in einen Einzeller hineinzupferchen. Der gehört in einen Mehrzeller. Einzelne Zellen bestehen gar aus festen und alternierend wechselnden Mitarbeitern. So arbeitet etwa ein Mitarbeiter zwei Tage zu Hause (Einzeller) und drei in einem Mehrzeller.

Inzwischen sind 15 Zellen angeschlossen. Die entlegenste ist eine Alphütte im Bündnerland. Dass die ganze Organisation funktioniert, beruht auf einer fast bedingungslosen Akzeptanz des Computers. «Keine Computer-Freaks», wie Zutt bemerkt, «sondern Menschen, die den Rechner als Arbeitsinstrument akzeptiert ha-ben.»

Willy Appenzeller ist einer davon. Bevor der Berater - «ich bin quasi für den technischen Teil der Werbung zuständig» - bei Zutt & Partner Lohnempfänger wurde, war er ein normaler «Arbeitsgänger». «Das könnte ich mir heute nicht mehr Vorstellen. Zumal ich dank dieser Arbeitsform in der glücklichen Situation bin, nur vier Tage in der Woche arbeiten zu müssen.» Willy Appenzeller schätzt die Möglichkeiten, die ihm sein Telearbeitsplatz im eigenen Heim bietet. «Klar muss ich mich an gewisse Blockzeiten halten. Aber bei Bedarf kann ich diese auch einmal in die Abendstunden ver-schieben.» Sicher sei die Gefahr des «Zuvielarbeitens» vorhanden. Aber das verhindere meist die Familie, die natürlich ebenfalls ihr Recht fordere. Die Grenze bildet, sowohl bei Appenzeller wie auch bei Zutt, die Türe des Büros. Obwohl im eigenen Heim arbeitend, erklären beide, dass die Familie den Arbeitsbereich sowohl örtlich wie auch zeitlich respektiert. «Ab fünf Uhr abends wissen meine beiden Kinder, dass sie den Vater stören dürfen», erklärt Hans Peter Zutt. «Und davon machen sie auch regen Gebrauch.»

Nicht reagiert haben Kunden und Konkurrenten. «Weil die meisten es wohl gar nicht mitbekommen haben, dass bei uns sehr dezentral gearbeitet wird. Wichtig ist uns, dass in all den Jahren kein Kunde wegen Leistungsabfall klagte. Im Gegenteil, heute sind wir soweit dass wir unsere Vernetzung und Telekommunikation als Vorteil gegenüber der Konkurrenz ins Feld führen. Und wie reagieren denn die anderen der Branche? «Wenn überhaupt, dann eher spöttisch. Als Freaks wurden wir abgestempelt. Werbeleute sind halt eher konservative Menschen.» Dabei stehen doch heute in den meisten Büros Computer, Drucker, Faxgeräte und garantiert Telefone. Zutt: «Warum also nicht die Verbindungen herstellen?» Sicher seien Werte wie Mitar-beiterzufriedenheit und der Beitrag zur Schonung der Umwelt durch weniger Verkehr nicht in Franken und Rappen auszurechnen, meint der Werber. «Aber eines der besten Beispiele dafür, warum Telekommunikation, ist doch die Mitarbeiterin, die ein Kind erwartet. Für uns jedenfalls ist eine Grafikerin, die nach eigenem Ermessen zu Hause ein paar Stunden arbeitet, besser als gar keine Grafikerin.»

Sowohl die Kostenfrage («Die Geräte sind doch meist schon vorhanden. Also braucht es nur noch den guten Willen.») als auch den Einwand, dass nicht alle Firmen Telearbeit verwirklichen könnten, lässt Hans Peter Zutt nicht gelten. «Klar kann ich kei-nen Fabrikationsbetrieb im Wohnzimmer aufbauen. Aber jede Fabrikation braucht auch Verwaltung und Management. Grenzen gibt es keine. Gearbeitet werden kann überall, wo ein Draht der PTT hinführt.» Bei Zutt und Partner wird nach dieser Devise gelebt - mit dem Ziel, vermehrt auch Verantwortung in die Zellen abzugeben. Denn getreu dem Vorbild der Natur sollen sich Zellen teilen dürfen und eigene Organismen aufbauen. Damit Zutts Vision vom morgendlichen Arbeiten auf dem Feld des Bauern und dem kreativen Schaffen am Nachmittag dereinst breite Wirklichkeit wird.

 
 
 
Punkt  Zurück