Wer freiwillig länger am Computer sitzt als absolut nötig, gilt als Technokrat, Computerfreak oder schlicht als Spinner. Der Werber Hans Peter Zutt ist einer von die-sen Spinnern. Denn eine mittelgrosse Werbeagentur mit 15 Mitarbeitern und einem Bruttoeinkommen von 1,5 Millionen Franken könnte wohl auch ohne kompliziertes Computernetz florieren.
Aber der 44jährige Basler Hans Peter Zutt, der im Viereck zwischen den Zürcher Gemeinden Wolfhausen, Dürnten, Bubikon und Oberengstringen eine elektronisch vernetzte, dezentralisierte Werbeagentur betreibt, ist alles andere als ein spleeniger Technokrat mit starrem Blick.
«Probleme sind Lernprozesse», konstatiert Zutt heute und lässt seinen Blick über sein Biotop mit quakenden Fröschen schweifen. 1980, als er und sein späterer Partner Urs Arnold vom Leben auf dem Bauernhof träumten, hatten sie eine Vision: «Wir sind bewährte Profis - warum können wir alternative Gedanken nicht auf dem Boden unseres Berufes weiterspinnen?» Erst machten sie sich selbstandig - ganz konventionell. Nach zwei Jahren erfolgreicher Werberei schlossen Zutt und Arnold die Tür zwischen ihren Büros in Feldmeilen und taten so, als ob dazwischen 15 Kilometer Distanz lägen. Kommuniziert wurde fortan nur noch per Telefon. Damit nicht genug: In Amerika, so hatten sie gehört, gebe es eine Einrichtung namens Telefax und eine andere genannt elektronische Mailbox. Das wollten sie nützen.
Das Spiel mit den geschlossenen Türen funktionierte so gut, dass Zutt und Arnold 1985 je ihre eigenen Büros zu Hause eröffneten und real weiterspielten. Ein Mehrplatz-Computersystem mit Mailbox sowie zwei Faxgeräte wurden angeschafft.
Heute ist das alte Mehrplatzsystem noch immer in Betrieb - allerdings unterstützt von 17 grafikfähigen Apple-Macintosh-Computern, die zum Teil über Mietleitungen, zum Teil über herkömmliche Telefonleitungen miteinander verbunden sind. Jeder Mitarbeiter - ob Grafiker, Texter, Berater oder Mediaspezialist - hat in seinem Büro Zugriff auf einen Zentralcomputer.
Inzwischen ist auch Zutts Alphütte im bündnerischen Riein/Signina an das Agenturnetz angeschlossen. «Diesen Luxus gestattete ich mir statt einem Ferrari», kokettiert Zutt. Manchmal arbeite er wochenweise auf der Alp und habe dabei seine Agentur im Griff.
Und was nützt all das seinen Werbekunden? Ihnen könnte es ja egal sein, wie ihre Werbeagentur arbeitet, solange das Produkt stimmt. Viel Aufwand für wenig kommerziellen Ertrag also? Wäre die Werbeagentur Zutt und Partner heute nicht viel grösser, hätte der Inhaber all seine Energie in das Wachstum seines Betriebs statt in seine interne - pardon: externe Oganisation gesteckt? weiter
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