Statt Werbung Beratung für Telearbeit

« Mit dieser Frage treffen Sie mich an einem wunden Punkt», gesteht der Werber, ohne zu zögern. Obwohl seine Werbeagentur stolze Budgets - etwa von der Zürcher Kantonalbank oder der Orell Füssli Werbe AG - vorweisen kann, ist sie klein geblieben. Dafür hofft Zutt die Früchte seiner avantgardistischen Saat ausserhalb des reinen Werbebereichs, in der Beratung für Telearbeit, ernten zu können.

Die geleistete Pionierarbeit soll sich jetzt auszahlen: «Telearbeit wird schwerwiegende ökologische, soziale und ökonomische Probleme lösen - und wir bieten das Know-how dafür an.»

Das klingt so hochtrabend wie plausibel: Denn immer mehr Mütter wollen das Berufsleben trotz Kinder nicht aufgeben und Väter trotz Berufsleben nicht auf die Fa-milie verzichten. Ausserdem können wirtschaftliche Randgebiete dank Telearbeit künstlich belebt werden Das reduziert Pendlerströme und eröffnet Randregionen neue wirtschaftliche Perspektiven.

Dabei sollen die Telearbeiter nicht unbedingt zu Hause arbeiten. Die gefürchtete Isolation von Heimarbeitern soll durch dezentrale Gemeinschaftsbüros aufgehoben werden. Warum kann ein Bankangestellter nicht neben einer Versicherungsmanagerin und einem Werbegrafiker im selben (und billigen) Büro im Lötschental sitzen? Der Computer ist Nabelschnur zu den Hauptsitzen und Stempeluhr zugleich, die Telearbeit-Kollegen sorgen für soziale Einbindung.

Auch das Vorurteil, dass Telearbeit nur für untergeordnete Mitarbeiter möglich sei, weist Zutt ins Land der Märchen: «Ich treffe täglich mindestens 30 Entscheide am Bildschirm» Sitzungen werden per Konferenztelefon - kombiniert mit Computerbildern - abgehalten. Der Computer macht's möglich: Der Manager kann beliebig Überstunden absolvieren - und ist trotzdem ein guter Vater.

Urs Steiner

 
 
 
Punkt 

Zurück