Die neuen Kommunikationstechnologien und ihre beeindruckenden Möglichkeiten bringen frischen Wind in die festgefahrene gesellschaftspolitische Diskussion. Trendforscher und Mediengurus verschmelzen Begriffe wie «Multimedia», «Datenautobahn» und «Informationsgesellschaft» zur Zauberformel, welche die grossen Probleme am Ende des 20. Jahrhunderts (Ökokollaps, Verteilungskämpfe, Arbeitslosigkeit) zu lösen verspricht.
Sozialethiker, Medienkritiker und andere Pessimisten malen tiefschwarze Bilder von elektronischer Einsiedelei und von Netzwerkjunkies, die mit blutunterlaufenen Augen am Bildschirm geifern. Normalsterbliche Benutzer wiederum entscheiden sich fürs Handfeste (Telearbeit zu Hause, elektronische Plauderrunden) oder begegnen dem virtuellen Nirwana mit grosser Skepsis. Zu letzteren gehören auffallend viele Frauen und Führungskräfte.
Kurz darauf durchleidet Daniel Keller das bekannte «Zu-spät-Szenario»: Der Kakao ergiesst sich über Esstisch und Küchenboden, die Kleine hat eine aufgeplatzte Fieberblase zu verarzten, und der Grosse das Turnzeug verloren.
Die Ehefrau kann nicht helfen, da sie vor einer Stunde (pünktlich!) zur Arbeit ging, und - als wär's nicht genug - der Druckertoner ist ersatzlos ausgegangen. Dabei muss er gerade heute dringendst eine Arbeit abliefern. Wenn doch seine Auftragsfirma, wie andere auch, endlich dieses Modem installiert hätte!
Daniel Keller erstellt als Selbständiger Schulungsunterlagen für verschiedene Unternehmen. Als solcher leistet er Telearbeit der gehobenen Art und hat dafür gute Gründe: Er kann seine Arbeit flexibel einteilen, mehr Ferien geniessen als ein Festangestellter, die Entwicklung seiner Kinder aktiv mitverfolgen und seiner Frau die Berufstätigkeit ermöglichen. Hardware-, software- und bildungsmässig ist er auf dem neusten Stand; ganz im Gegensatz zu besagter Firma, die an diesem Morgen Kellers Produkt erwartet.
Nun muss er - nachdem er seine Kinder für die Schule gerichtet hat - eine neue Tonerkassette erstehen, die nachts erarbeiteten Dokumente ausdrucken und diese hernach auf einem zweistündigen Arbeitsweg ans Ziel bringen oder besser: von einem Kurier bringen lassen. Wären Keller und die Firma elektronisch vernetzt, wäre die Sache sekundenschnell, papierlos, autofrei und kostengünstig erledigt. weiter
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