Vorsicht ist die Mutter...

Rasante, unkontrollierbare und weltumspannende Entwicklungen wie die der Kommunikationstechnologien sind bekanntlich der Durchschnittsschweizer Sache nicht. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass sich Telearbeit in der Schweiz trotz offensichtlicher Vorteile und optimistischer Prognosen nicht ausgebreitet hat. An den wenigen tausend Tele-Heimarbeitsplätzen (genaue Zahlen existieren nicht) sind laut Schätzungen des Bundesamts für Statistik zu drei Vierteln Frauen beschäftigt. Und diese wiederum, glaubt man den Befürchtungen des Biga, verrichten ihre (oft monotone und einsame) Tätigkeit mehrheitlich in ungeschützten Arbeitsverhältnissen zu miserablen Stundenansätzen.

Auf Arbeitgeberseite wird zwar allerorten das Outsourcing aus Spargründen praktiziert, von Telearbeit der eigenen Angestellten aber will man nichts wissen: Die Führungskräfte fürchten den Kontrollverlust, unzulänglichen Datenschutz und die hohen Kosten für technische Ausrüstung.

Eine löbliche Ausnahme ist die Werbeagentur Zutt und Partner in Bubikon, die schon vor Jahren auf Telearbeit umgestellt hat. Firmengründer Hans Peter Zutt machte sich dabei die neuesten Entwicklungen der Kommunikationstechnik zunutze. Bei seinen Mitarbeitern will er die Telearbeit nicht erzwingen sondern ermöglichen, indem er die Infrastruktur zur Verfügung stellt und Arbeitsverträge abschliesst, die die üblichen Sozialversicherungen enthalten. Bei Zutt und Partner existieren keine Ängste vor Kontrollverlust, denn die abgelieferten Resultate können sehr wohl beurteilt werden, und «die sind schliesslich entscheidend», meint Philipp Zutt, Sohn des Geschäftsführers.

Wer geht ins Netz?

Auch anderen Phänomenen der neuen Medienwelt wie dem Teleshopping, dem interaktiven Fernsehen oder den «chatboxes» des Internet (Plauderboxen, die in Amerika millionenfach genutzt werden) begegnen hiesige Politiker- und Arbeitgeberkreise mit enormer Skepsis. Das offizielle Helvetien wagt sich nur ganz zaghaft vor. Erwähnt sei der gemeinsame Multimedia-Versuch von Post und SBB: An acht Standorten haben diese kürzlich Bildschirmsäulen aufgestellt, an denen lnformationen abgerufen, Bestellungen aufgegeben oder Käufe getätigt werden können.

Private Benutzer, allen voran die Kreativen und Intellektuellen, zeigen sich da wesentlich experimentier- und entdeckungsfreudiger (s. Kommentar). Was dabei rauskommen kann, wird zurzeit im Museum für Gestaltung (MfG) Zürich in einer faszinierenden Ausstellung gezeigt.*

Nicht aus Experimentierfreude sondern aus rein kommerziellen Gründen hat sich hingegen die Schweizer Hochfinanz Iängst elektronisch mit der Welt vernetzt und gewinnt daraus beachtliche Marktvorteile. Geschäftszwang schafft halt Anschluss.

Bleibt die Frage, ob es sich (beispielsweise für Kaufleute) lohnt, auf den fahrenden Zug der digitalen Kommunikation aufzuspringen. Tip der Schreiberin: Probieren lohnt sich immer und wiederaussteigen kann man jederzeit. Billiger als jetzt wird's jedenfalls nicht.

*Ausstellung «Ich & Du, Kommunikation und Neue Medien», 6. März bis 28. April, MfG Zürich.  
 
 
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