Die Werbung geht nach Hause
Viel wurde darüber schon geschrieben, einige zaghafte Versuche, die Kommunikationstechnologie für die Verbindung von Wohnen und Arbeiten zu nutzen, hat es schon gegeben. Ohne es bislang an die grosse Glocke zu hängen, ist eine Agentur im Begriff, aus Werbung Telearbeit zu machen: PERSÖNLICH bei Zutt & Partner in Wolfhausen, Bubikon, Dürnten und Oberengstringen. So etwas wie eine Zentrale gibt es zwar immer noch bei der 1978 gegründeten und inzwischen zwölf Mitarbeiter zählenden Werbeagentur von Hans Peter Zutt und seinen Partnern. Sie befindet sich indessen nicht im Werbemekka, sondern beansprucht die eine Hälfte des Privathauses von Hans Peter Zutt in Wolfhausen im Zürcher Oberland. Hier laufen die Beratungsfäden zusammen.
Das «Zellenprinzip»
Eine zweite «Zelle», ein Lieblingswort Zutts, befindet sich in Bubikon. Dort hat sich CD Christian Erni mit seinem Grafiker-Team eingenistet. Auf den 1. Juli dieses Jahres wird Berater Willy Appenzeller seinen Telearbeitsplatz in Dürnten beziehen. Schliesslich René Will Juniorberater und inzwischen EDV-Experte der Agentur: Er pendelt noch zwischen der «Zentrale» und seinem Arbeitsplatz zu Hause in Oberengstringen. Allen «Dezentralisierten» gemeinsam ist, dass der Arbeitgeber sich an den Wohnungskosten beteiligt. In den Plänen des Idealisten Zutt («ja, manche Kollegen sehen uns schon ein wenig als Spinner, aber das macht nichts») hat es Platz für weitere Zellen, die sich durchaus auch teilen dürfen. Zutt mag nicht einsehen, weshalb die (ihm wohlbekannten) biologischen Gesetze der Zellteilung nicht auch in der Arbeitswelt Geltung haben sollten.
Ohne PTT läuft (fast) nichts
Voraussetzungen für die «dezentralisierte Werbeagentur» sind Organisation und Technik. EDV natürlich in erster Linie, es braucht «alle modernen technischen Bausteine», und ohne die bereitwillige Hilfe von Computerfreaks geht es auch nicht. So ist längst nicht alles, was bei Zutt & Partner läuft, Software von der Stange. «Wir haben als eine der ersten Agenturen überhaupt mit Telefax gearbeitet, mit diesem Gerät hat unsere Dezentralisation angefangen», erzählt Hans Peter Zutt, der seine Freude an der Kommunikationstechnik weder verbergen kann noch will. Er sieht Unternehmen als «lebendigen Organismus» und die (Tele-) Kommunikation als deren Nervensystem. Damit sind auch die PTT angesprochen: ein unerlässlicher Partner auf dem eingeschlagenen Weg. So hat man bei Zutt & Partner mit Freuden die Kunde vernommen, die PTT seien demnächst in der Lage, Voraussetzungen für schnellere Datenübermittlung per Draht zu schaffen. Das ist entscheidend, wenn es um Bilder geht: die bestehen im Computer aus «Tonnen» von Daten. Die Agentur-Philosophie
1. Wir wollen die gegenseitige Verschiedenartigkeit bewahren. 2. Wir wollen das gegenseitige Verständnis bewahren.
3. Wir wollen die Faszination durch das Unbekannte bewahren.
4. Wir wollen alle Wissensgebiete in die Arbeit miteinbeziehen.
5. Wir wollen Freiheit beim Denken praktizieren.
Neue Regeln
Ein verlockender Gedanke, der Arbeitsplatz zu Hause, auch für Hans Peter Zutt. «Am Vormittag heuen und am Nachmittag texten», schwärmt er. Oder mitten in der Nacht, dann, wenn die Ideen kommen. Das stellt an die Arbeitsdisziplin des einzelnen hohe Anforderungen. Eigenverantwortung und strikte Organisation sind gefragt. Letztlich geht es auch beim noch so raffinierten elektronischen Briefkasten ganz einfach darum, dass er geleert wird. Die «Umerziehung» der Mitarbeiter zielt auf Präzision bei der An- und Abmeldung (bei der «Mailbox» und auf dem automatischen Telefonbeantworter). «Und etwas Freakiges braucht es natürlich auch», ergänzt Hans Peter Zutt. weiter