Hohe Investitionen an Zeit und Geld

Den Arbeitsplatz zu Hause, inkl. Computer (Apple Mac llx z. B.), das ist genau das richtige für «Workaholics». Zutt lässt den Einwand nicht gelten. Ihm ist der Begriff «workophil» lieber. Und noch etwas betont Zutt: Werbung in «Telearbeit» sei nicht besser als andere. «Wir machen qualifizierte Arbeit, mehr nicht», sagt er. Also muss die Motivation anderswo herkommen. Vom Finanziellen? Zutt winkt ab. Vor hohen Telefonrechnungen dürfe man genausowenig zurückschrecken wie vor hohen Investitionen in Material und Mitarbeiterschulung.

Was nicht heissen will, dass man sich bei Zutt & Partner nicht ums Geld kümmert. Finanzielle Vorteile vom EDV-Einsatz sind in erster Linie bei der Rationalisierung der Produktion zu erwarten. Die ist hier recht weit gediehen: Jüngst war die erste Vierfarbanzeige (für die Zürcher Kantonalbank) erschienen, vom Entwurf bis zum Litho (digital auf Diskette und auf der Linotronic ausser Haus belichtet) vollumfänglich am Computer entstanden.

Bereits in seiner eigenen «Zelle»:
CD Christian Erni.

CD Christian Erni ist nach anfänglicher Reserve jetzt begeistert und stimmt seinem Chef gerne zu, wenn er sagt: «Die EDV gibt dem Kreativen die Realisation zurück, so wie es ganz früher schon war.» Wenn die Sache einmal rund läuft, kann viel Zeit und Geld gespart werden.


Der «Drahtzieher»:
Juniorberater René Will.

Bei Zutt & Partner hat man sich nicht damit begnügt, als «Insellösung» irgendwo einen Mac II zu installieren und sich auf einen Mac-Experten für alle zu beschränken. Vernetzung ist Trumpf. Die geht so weit, dass die Apple-Computer für Konzeption, Kreation und Produktion inzwischen vernetzt sind mit einer älteren EDV-Anlage für das Administrative.

Und was ist, wenn plötzlich ein «Virus» auftaucht im Netz? Man hat vorgesorgt. Ein spezielles Programm überprüft automatisch jede von aussen kommende Diskette auf alle derzeit bekannten Computerviren.

Ökologie und Ökonomie

Bei den ökonomischen Überlegungen im Zusammenhang mit der «Zellenlösung» für die Agentur denkt Zutt über die eigene Kasse hinaus. Er möchte «die Ökonomie mit der Ökologie verbinden überflüssige Autokilometer zwischen Arbeiten und Wohnen vermeiden und schliesslich auch etwas tun gegen die «vaterlose Gesellschaft». Zutt & Partner, eine «grüne» Werbeagentur also? Der Verband der Schweiz. Reformhäuser oder die Zürcher Vogelschützer stehen zwar auf der Kundenliste, und auch einen Verkehrsverbund etwa würde Zutt ganz gern als Kunden haben. Daneben steht er indes fest auf dem Boden, wirbt für die Bank, für eine Bergbahn oder ein grosses Bauunternehmen.

Für Hans Peter Zutt ist nichts, wohin man denken kann, tabu. Eine Frage aber ist verboten: «Was bringt das?» ist nur via Ausprobieren ein Thema. Der Drang nach dem Unbekannten und das Bedürfnis, zu nutzen, was die Technik zu bieten hat, sind Zutts Triebfedern - die Neugier als Prinzip, wie er es sagt .

Kostbare Mitarbeiter

Die hohen Anforderungen an die Mitarbeiter von Zutt & Partner gehen einher mit deren finanziellen Beteiligung. «Das ist auf unserem Weg selbstverständlich», sagt Zutt, der auch gewisse Probleme nicht verschweigt: «Einen Mitarbeiter, der sich in unser System eingearbeitet hat, routiniert mit Desktop Publishing umgehen kann, den dürfen wir eigentlich nicht mehr gehen lassen.» Das will auch kaum jemand und Juniorberater Will schon gar nicht. Aufgrund seiner Erfahrungen bei der Vernetzung der Zellen sieht er ideale berufliche Ergänzungen. Ganz zur Freude seines Chefs. «Vielleicht werden wir eines Tages auch Berater für dezentrale Arbeitsplatzorganisation», erklärt Zutt, «es gibt bereits hellhörige Kunden in dieser Richtung.» Zutt denkt an die Erfahrungen mit dem Organisatorischen rund um die «Mailbox»: «Da haben wir als Ergänzung zu den Hard und Softwarelieferanten etwas anzubieten.»

Punkto Personalrekrutierung hat man auch bei Zutt & Partner schon vom ausgetrockneten Markt für gute Werbeprofis gehört. Trotzdem ist Hans Peter Zutt mit Blick auf personelle Aufstockung zuversichtlich: «Wenn sich nur 1°/°° der Werbeleute für uns interessiert. ist der Markt für uns alles andere als trocken.»

Ganz abgesehen davon, dass auch im Werbemekka eine Zutt & Partner-Zelle denkbar ist, falls jemand partout darauf nicht verzichten will. Und soweit bekannt, soll es ja unter den Werbern einige «angefressene Mac-Freaks» geben.

 
 
 
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