Marie-Françoise Ruesch meldete sich, bekam die Stelle und konzipiert heute für Kunden unterschiedlichster Branchen den Auftritt im Internet. Sie empfängt ihre Projektevia E-Mail von der Agentur und leitet sie auf gleichem Weg an Texter, Gestalter und Informatiker weiter.Mit 55 Jahren fand Jacques Schnyder, Vizedirektor einer Bank im Kanton Glarus, dass sein Beruf ihn zu sehr einenge, und suchte eine neue Herausforderung. Er beschloss, seine unternehmerischen Fähigkeiten als Treuhänder und Finanzberater auf die Probe zu stellen. In seinem 7-Zimmer-Einfamilienhaus richtete er ein Büro mit Besprechungszimmer ein, wo er Kunden empfängt,Korrespondenz erledigt und Verträge aufsetzt. Inzwischen hat sich der erfahrene Finanzfachmann in der Region einen Namen gemacht und einen beachtlichen Kundenkreis gewonnen.

Umdenken gefragt

Marie-Françoise Ruesch und Jacques Schnyder haben beide eine neue Lebensform gewählt: Ihr Arbeits- und Familienleben ist zusammengerückt. Verstand man bisher unter Heimarbeit eine auf Handfertigung beschränkte, eher monotone Tätigkeit, so gestatten neue Komunikationswerkzeuge Berufstätigen in vielen Bereichen die Arbeit nach Hause zu nehmen. Laut einer Umfrage des Zürcher Wirtschafts- und Sozialforschungsinstituts WISO kann sich mehr als die Hälfte derBevölkerung im Grossraum Zürich vorstellen, in irgendeiner Form Telearbeit zu leisten. Noch 1987 sprachen sich erst 37 Prozent der Befragten für diese Arbeitsform aus.

Nebst einigen Banken und Versicherungen gehört der Computerhersteller IBM zu den Pionieren der Telearbeit. Rund die Hälfte der 950 Angestellten am Hauptsitz in Zürich arbeiten per Notebook und Mobiltelefon unterwegs oder daheim und teilen sich ihre Pulte am Firmenarbeitsplatz. Deshalb wird diese Form der Telearbeit auch Desk Sharing genannt. "Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht", sagt Pressesprecherin Susan Orozco. "Die Mitarbeiter sind zufriedener, weil sie flexibler arbeiten können."

In den Vereinigten Staaten gibt es bereits 52 Millionen Arbeitnehmer- rund 40 Prozent der berufstätigen Bevölkerung-, die als Selbstständige oder im Angestelltenverhältniszumindest einen Teil ihrer Arbeit zu Hause erledigen. Doch bei uns reagieren die Firmen zurückhaltend. "Viele Vorgesetzte haben Angst, die Kontrolle über ihre zu Hause tätigenMitarbeiter zu verlieren", sagt Roland Ronchi, Geschäftsleiter der Schweizerischen Zentralstelle fürHeimarbeit in Bern.

Die Erfahrungen der Werbe-Agentur Zutt & Partner, die seit 15 Jahren Telearbeiter beschäftigt, widerlegen dieses Argument. "ln Europa geht alles viel länger. Doch auch bei uns wird sich dieses Modell mit der Zeit durchsetzen", ist Juniorpartner Philipp Zutt überzeugt. Madeleine de Couët, beispielsweise, kann sich ihren Lebensunterhalt an ihrem Wohnort am Zugersee oder ihrem abgeschiedenen Ferienwohnsitz in Frankreich verdienen. Ursprünglich verlegte ich wegenmeines Hundes meinen Arbeitsplatz von der Stadt aufs Land.
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