HEIMARBEIT

Teleworking soll die Arbeitswelt revolutionieren. Immer mehr Menschen interessieren sich für die neue Art der Heimarbeit, denn sie bringt Vorteile: Telearbeiter können sich den Pendelweg sparen und die Zeit weitgehend selber einteilen.

Schon oft wurde Hans Flütsch von seinem Freund aufgefordert, doch einmal mitzukommen. Letzthin klappte es endlich: An einem frühen Oktobermorgen brachen die beiden auf und suchten in der Bündner Bergwelt nach Kristallen. Und das an einem gewöhnlichen Wochentag.

Hans Flütsch arbeitet für die Zürich-Versicherung in Arosa und findet nichts Besonderes dabei, mitten in der Woche einen Freitag einzuschalten: «Ich kann mir die Arbeit selber einteilen. Oft arbeite ich abends oder am Wochenende, und so habe ich halt auch mal während der Woche freie Zeit.» Zudem kennt Flütsch keinen Arbeitsweg - er arbeitet in seinem schmucken Chalet. Doch die örtliche Nähe zum Job verlangt eine klare Abgrenzung. Sobald er in seinem kleinen Büro verschwindet, lässt er sich nicht mehr ablenken. «Dann bin ich eigentlich gar nicht da, und manchmal beklagt sich meine Frau auch darüber», meint der ehemalige Sportlehrer.

Das ist Telearbeit. Unternehmen gliedern Arbeitsplätze aus und bringen die Arbeit wieder näher an die Angestellten heran. Wenn Firmen dezentralisieren, verkürzen sich die Pendelwege, und die Arbeitszeiten werden flexibler.

Tatsächlich wird vor allem bei Versicherungen schon seit langem eine Art Telearbeit praktiziert. Die Aussenstellen in kleineren Gemeinden sind oft in der Wohnung der Mitarbeiter untergebracht. Ein eigentliches Büro kann man sich auf diese Weise sparen. Hans Flütsch arbeitetseit über fünf Jahren so und nimmt deshalb die Vorteile gar nicht mehr richtig wahr: Dass er keinen Arbeitsweg hat und sich seine Arbeit frei einteilen kann, ist fürihn selbstverständlich. Mit seinem direkten Vorgesetzten trifft er sich alle zwei bis drei Wochen in der Generalagentur Chur zur Sitzung. Sein Computer ist mit dem Rechenzentrum in Zürich verbunden.

Seit über zehn Jahren heisst es, dass sich die Telearbeit bald auch in weiteren Bereichen durchsetzen werde. Arbeitnehmer aus anderen Branchen sollten von den Vorteilen profitieren können. Optimisten prophezeiten, dass im Jahr 1999 in mehr als 80 Prozent der Betriebe über die Hälfte sämtlicher Mitarbeiter Teleworking betreiben würden. Wunderbare Prognosen versprachen, die Telearbeit werde dadurch tiefgreifende Veränderungen bringen: Durch verringerte Pendlerströme werde der Energieverbrauch und damit die Umweltbelastung kleiner, Randregionen könnten gestärkt, die Arbeit besser verteilt und letztlich gar die Wirtschaft durch die Flexibilisierung der Arbeitszeit angekurbelt werden.

All die schönen Aussichten stimmen in der Theorie und könnten tatsächlich einmal eintreffen. Nur mit dem Zeitplan haben sich die Prognostiker gehörig verschätzt. Inzwischen mag nämlich niemand mehr an einen baldigen Durchbruch glauben.

Hingegen hat man schon früh erkannt, dass Telearbeit nur funktionieren kann, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin soziale Kontakte aufrechterhalten können. Isoliertes Teleworking wurde schon früh als Sackgasse bezeichnet. Der Klatsch am Kaffeeautomaten ist wichtig. Alternative Formen der Telearbeit könnten die drohende Vereinsamung abwenden. Zum Beispiel das Satellitenbüro: Ein Unternehmen dezentralisiert eine ganze Arbeitsgruppe und lässt diese weitgehend selbständig agieren.

Teleheimarbeit im klassischen Sinn: Das Aussenbüro der Zürich-Versicherung in Arosa ist im Chalet von Hans Flütsch untergebracht. Bei Versicherungen ist diese Art von Teleworking seit Jahren selbstverständlich - mit den bekannten Vorteilen: Hans Flütsch hat keinen Arbeitsweg und kann sich die Arbeit selber einteilen: "So habe ich auch mal während der Woche Zeit für anderes." weiter

 
 
 
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