Werbeberater Hans Peter Zutt praktiziert seit Jahren

funktionierendes Tele-Management

Der Ruf der Telearbeit ist in der Schweiz schlecht. Sie treibe die Menschen in die Isolation, wird ihr vorgeworfen. Dem hält Hans Peter Zutt eine andere Version entgegen. Er hat vor Jahren begonnen, seine Werbeagentur mit heute 16 Beschäftigten in eine Zellenstruktur zu zerlegen und elektronisch zu vernetzen. Sein Fazit grosse wirtschaftliche und menschliche Vorteile.

Zutt: Heute wird Telearbeit meistens als Zerrbild dargestellt. Das Bild vom Vater, der zu Hause vor dem Computer sitzt, auf beiden Knien ein Kind, muss ja jeden Unternehmer erschrecken und zu Recht um die Wirtschaftlichkeit der Telearbeit fürchten lassen. Und beim Bild der Frau, die allein in ihren vier Wänden Daten eintippt, geht jeder Psychologe auf die Barrikaden.

° Worin sehen Sie den Vorteil der Telearbeit ?

Dass die Arbeit und das Wohnen wieder zusammengeführt werden
- dort wo es möglich ist
- für jede(n), die (der) das will
- in der Form, die den Menschen und den Tätigkeiten angemessen ist

Wir kehren zu der Arbeitsform zurück, die sich über Jahrhunderte bewährt hat. Es war die Industrialisierung, die den Arbeits- und Wohnort auseinandergerissen hat. Muss dieses Hin- und Hergerissensein zwischen Arbeit und Familie als Zeiterscheinung einfach hingenommen werden? Ich meine: nein. Aus dieser Überlegung reifte bei mir vor einigen Jahren die Absicht zur Alternative - aber alternativ im angestammten Beruf. Ich bin nicht ausgestiegen, habe den Bettel nicht hingeworfen, die Haare nicht zu Zöpfchen wachsen lassen und hüte keine Schafe. Ich liebe das Bild vom Schmetterling, der über die Landschaft fliegt, immer weiter, weiter, bis er zum Meer kommt - das feste Land verlässt und weiterfliegt. Ich wollte mich nicht abfinden mit der Tatsache, dass sich heute Karriere und das Miterleben, wie Kinder heranwachsen, ausschliessen. Dagegen wollte ich etwas tun.

° Mit Technik?

Mit Technik. Dieses sich Ausschliessen von Arbeit und Familie ist wesentlich verursacht durch die Trennung von Wohnen und Arbeiten. Die Technik gibt mir die Mittel in die Hand, um diese Trennung zu überwinden. Ich habe die Firma in selbständige Organismen, Zellen, aufgelöst, die zusammen eine Einheit bilden.

«ICH BIN ALTERNATIV IM ANGESTAMMTEN BERUF. »

° Gehen wir an den Anfang zurück...

Es war die Zeit, wo die ersten Telekopierer aufkamen. Neue Softwarelösungen erschienen auf dem Markt. In den USA wurden die ersten Mailboxes installiert. Technikfreak, wie ich schon war (auf einem programmierbaren Taschenrechner hatte ich die ersten Kundenstatistiken erstellt), stürzte ich mich auf die neuen Möglichkeiten. In der Technik erkannte ich das Werkzeug, das mir helfen konnte, den Kommunikationsstrom anders fliessen zu lassen, denn eines war mir klar: meine Vision würde am Ende auf die Telearbeit hinauslaufen. Spielerisch begannen wir mit einer Simulation im Kleinen. Wir dachten uns zwischen jedem Tür-an-Tür-Büro einige Kilometer Distanz aus und bauten die Kommunikationstechnik auf. Technik ist ein grosses Wort, denn sie bestand am Anfang vor allem aus dem Telefon. Die persönlichen Kontakte reduzierten wir bewusst auf ein Minimum, planten aber den persönlichen Besuch ein. Das Resultat war ermutigend. Der Laden stürzte jedenfalls nicht zusammen.

° Und wann haben Sie den Feldversuch begonnen ?

Vor sieben Jahren.

° Wie sieht Ihre Struktur heute aus ?

Unsere Firma besteht zurzeit aus sieben Zellen, die über Telekommunikation miteinander verbunden sind. An die Stelle des Strassenverkehrs haben wir den des Datenverkehrs gesetzt. Eine Zentrale gibt es noch, nur ist die nicht mehr in Wolfhausen, wo ich wohne, sondern in Bubikon, wo die meisten Mitarbeiter in einer Zelle arbeiten.

° Als Chef der Firma müssen Sie den Überblick haben. Klappt das ?

Dank der Technik besser denn je. Ich frage mich sogar, wie in unserer schnellebigen Zeit ohne die technischen Hilfsmittel Unternehmen noch erfolgreich geführt werden können. Wir können über unser Netzwerk jederzeit blitzschnell über Sprache und Bildschirm im Dialog kommunizieren.

° Womit wir bei der Technik wären. Was setzen Sie für technische Hilfsmittel ein ?

Nach wie vor im Betrieb ist unser MAI-Mehrplatzsystem, mit dem wir gestartet sind, weil uns damals dessen Auftragsbearbeitung überzeugte. Unser zweites Bein ist die Grafik, und hier arbeiten wir mit dem Macintosh, dem Computer für Werbeagenturen schlechthin. Die Mac-Welt ist unter sich vernetzt, das Mehrplatzsystem ebenfalls und beide untereinander. Von jedem Mac-Bildschirm aus besteht Zugriff auf den Mehrplatzrechner. Auf der EDV-Seite benutzen wir handelsübliche Produkte. Auf der Seite Sprachkommunikation ist viel Eigengewächs vorhanden. weiter

 
 
 
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