Tele-Manager Hans Peter Zutt, inspiriert von den Gedanken von Frederic Vester. ° Wer hat die Vernetzung realisiert ?
Anfangs haben wir das Know-how eingekauft. Dann knieten wir uns selber hinein und waren erstaunt, wie schnell wir uns punkto Wissen von Verkäufern und Händlern entfernten. Dabei war es nie unser Ehrgeiz, die letzten Windungen einer Hard- oder Software zu kennen, sondern die Übersicht über unser komplexes System zu behalten. Dabei hat sich im Laufe der Jahre ein grosser Stock an Wissen angesammelt. Dieses Wissen wird in vielen Unternehmen dringend gebraucht. Wir empfinden es deshalb beinahe als unsere Pflicht, das Wissen weiterzugeben. Das tun wir jetzt und haben dafür eine neue Firma gegründet (Zutt & Partner, Kommunikationsberatung, Wolfhausen).
° Welcher Art ist Ihr Wissen ?
Wir setzen alles ein, was uns die Technik zur Verfügung stellt: Telefon, Anrufbeantworter Telekopierer, Computer, Mailbox. Unsere Erfahrung besteht darin, den Mitarbeitern das Feeling für das jeweils richtige Medium zu geben.
° Werbunq ist eine kommunikative Tätigkeit. Und Sie tun das ohne persönlichen Kontakt. Ist das nicht ein Widerspruch in sich ?
Nur vermeintlich. Bei uns sind die persönlichen Kontakte nicht verbannt. Wir brauchen sie, wenn grosse konzeptionelle Probleme zu besprechen sind. Die grossen Zeitfresser sind nicht diese Meetings, sondern die vielen Zwischenschritte. Hier «treffen» wir uns nur noch auf dem Netzwerk zur Telefon-Konferenz, unterstützt simultan durch Fax oder Bildschirm. Die Vorteile sind offensichtlich. Alle Teilnehmer sind gut vorbereitet, alle auf dem gleichen Stand und arbeiten mit den gleichen Vorlagen. Es ist, als ob man ein Unternehmen mit neuen Instrumenten führt. Das kann aber nur funktionieren, wenn alle Teilnehmer die Instrumente à-fond kennen.
° Klappt Telearbeit nur mit telearbeitswilligen Leuten ?
Ja. Telearbeit lässt sich nicht mit Leuten machen, die den Computer hassen. Man muss offen sein für die neuen Möglichkeiten. Dann erkennt man die Chance des Überspringens von Zeit und Raum.
° Und die Einsamkeit des Telearbeiters ?
Gibt es die ? Die Telearbeit und die Arbeit im Bürohaus weichen nicht so stark voneinander ab. Da und dort arbeitet grundsätzlich jeder für sich. Die viel gerühmte Kommunikation im Bürohaus entpuppt sich meistens als Störung. Ohne Voranmeldung wird in die Büros gelatscht. Am Abend hört man das berühmte «Was habe ich heute eigentlich getan?» Der Telearbeiter ist nicht so allein. Er kann jederzeit mit jedem in Kontakt treten. Raum und Zeit lassen sich mit elektronischen Briefkästen eben schnell und problemlos überbrücken, sei das mit dem Mittel des Telekopierers, des Anrufbeantworters, der Mailbox oder des Computers.
° Gewinnen Sie auch als Firma ?
Eindeutig. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, dass wir konventionell arbeiten würden. Wir kommunizieren elektronisch nicht nur zwischen den Zellen, sondern auch innerhalb der Zellen.
° Wie hoch schätzen Sie die Produktivitätssteigerung durch Telearbeit ? Sind es 60 Prozent, wie in einem Umsatz steht ?
Irgendwie ist das schon glaubhaft, jedenfalls nicht unrealistisch. Ich muss aber sagen, dass mir der Vergleichsrahmen fehlt, weil ich das Unternehmen seit Jahren über Leitung führe.
° Wo liegt der Unterschied ?
Im Ausschöpfen der Mittel, problembezogen und bedürfnisbezogen auf die Menschen und die Firma als Organismus. Die Frage muss sein: welche Geräte liefern in welcher Kombination die besten Resultate ? Man darf sich nicht von den Supermöglichkeiten eines einzelnen Geräts blenden lassen.
° Ein solches Gerät wäre das Bildtelefon. Möchten Sie es haben ?
Sofort. Aber es geht auch ohne. Das Bild des Gesprächspartners am Telefon kann den zwischenmenschlichen Kontakt nicht ersetzen, vor allem nicht bei Menschen, die sich nicht kennen.
° Werden Sie durch die PTT limitiert ?
Ja. Die Telearbeit ist dringend auf schnellere Leitungen angewiesen. Alles ist zu langsam. Furchtbar. Das ist ein dauernder Kampf mit der Geschwindigkeit. Die PTT ist jetzt am Aufbau schnellerer Leitungen. Stichwort Swissnet. Ich appelliere an die Lieferanten von Modems und Software, sich einiges einfallen zu lassen, damit diese Geschwindigkeit schnell zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten genutzt werden kann. weiter