René Will sorgt für die Technik.

° Werden Sie durch die technischen Grenzen eingeschränkt ?

Das ist eine Frage des Standpunkts. Sie finden sich ständig in einem «Zustand». Man muss bereit sein, jedes Werkzeug zu prüfen, ob es hilft, das Leben anders zu gestalten? Die ersten Menschen mussten das schon tun. Neugierde ist etwas urmenschliches.

 

OFFENHEIT UND FÜHRUNG

° Persönliche Planung! Jeder Mitarbeiter schliesst seinen Tag mit dem eigenen Tagesplan für den nächsten Tag ab, dies in Übereinstimmung mit der Gesamtplanung.

° Strikte Computerhygiene! Jeder Fremdkontakt wird «klinisch» geprüft. Wir dürfen keine Viren einschleppen.

° Sauberes Riskmanagement! Dazu gehören auch Kenntnis und Disziplin jedes Mitarbeiters für klares, einheitliches Fileserver-Handling.

° Nicht papierlos, aber papierarm! Alles, was gedruckt werden muss, bleibt auf dem Bildschirm. Alles, was per PC erfasst werden kann, wird elektronisch gespeichert statt papierarchiviert.

° Jeder Arbeitsplatz ist omnipotent! Jede Arbeit ist grundsätzlich an jedem Arbeitsplatz möglich, jede Information grundsätzlich an jedem Arbeitsplatz verfügbar.

Telearbeit geht nicht ohne Regeln. Obenstehende gelten bei Zutt+Partner.

° Sind Sie dauernd an Ausstellungen ?

Jein. Irgendwie muss das Ganze auch wirtschaftlich sein. Wir haben es aufgegeben, uns um die Spitze der Entwicklung zu balgen. Wenn man die Technik «bis zum Gehtnichtmehr» ausreizt, ist die Absturzgefahr sehr gross. Unser Platz ist gleich unterhalb des Gipfels.

° Telekommunikation hat ihren Preis. Wie hoch ist er?

Wir sind ein guter Kunde der PTT. Unsere PTT-Rechnung ist doppelt so hoch wie die einer «normal» arbeitenden Werbeagentur. Demgegenüber steht der Gewinn an Zeit und die Reduktion der Fahrspesen.

° Wie organisiert man die Telearbeit?

Die Natur ist unser Vorbild. Die Sicht des Unternehmens als die eines lebenden Organismus mit einzelnen Zellen überzeugt uns. Jede Zelle ist eine selbständige kleine Fabrik. Für die Telearbeit heisst das: hohe Autonomie am einzelnen Arbeitplatz, Omnipotenz, flache Hierarchie, viel Verantwortung und Kompetenz für den einzelnen Menschen.

°Sind Sie Anhänger von Frederic Vester?

Ja. Er ist ein grossartiges Vorbild. Seine Bücher lese ich seit 15 Jahren.

°Ich habe Sie unterbrochen . . .

Es braucht ein sehr durchdachtes Risikomanagement, weil die Risiken steigen. Das Kontrollnetz muss enger gewoben sein. Anderseits lassen sich dank der Telearbeit bestimmte Feedbackmechanismen einfacher realisieren. Insgesamt gesehen steigt der Aufwand nicht.

° Wie arbeiten Sie konkret an Projekten ?

Grundsätzlich sind an einem Projekt immer mindestens zwei Personen beschäftigt, ein Gestalter und ein Administrator, die aber nicht in der gleichen Zelle sitzen müssen. Dank der Telearbeit sind wir bei der Zuordnung frei.

« ÜBERSPRINGEN VON ZEIT UND RAUM. »

° Was gewinnt der Mensch durch die Telearbeit ?

Mehr Verantwortung. Sein Arbeitsfeld ist breiter. Der direkte menschliche Kontakt findet bewusster und besser organisiert statt und ist dadurch intensiver.

° Mit dieser Meinung stehen Sie allein.

Fürchterlich allein. Mit unserer ganzen Organisation stehen wir allein.

° Haben Fachleute unrecht, die vor Telearbeit warnen ?

Was bisher als Telearbeit praktiziert worden ist, verdient eben den Namen nicht. Die Hausfrau, die im stillen Kämmerlein an einem dummen Terminal stundenlang Daten eintippt, ist nicht unsere Art der Telearbeit. Wir vertreten die qualifizierte Telearbeit, wo der Mensch seine gewohnte Arbeit weiterführen kann. Es ist zu unterscheiden zwischen alternierenden Telearbeitsplätzen, z.B. in Bürohäusern oder Telebüros, und festen Telearbeitsplätzen in der Wohnung. Es gibt den allgemein gültigen Telearbeitsplatz nicht, sondern nur den auf die individuellen Bedürfnisse Rücksicht nehmenden Platz. Wer warnt denn vor der Telearbeit? Es sind die, die in der Telearbeit zwar eine bessere Möglichkeit sehen, Nägel einzuschlagen, aber immer noch nach alter Manier den Hammer schwingen. weiter
 
 
 
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