Wenn die Firma von der Alphütte aus geleitet wird
Als Hans Peter Zutt vor Jahren seine Werbeagentur dezentralisierte, ahnte er noch nicht, dass die Firma sich bald zu einem Musterbetrieb für Teleheimarbeit entwickeln würde. Dennoch findet diese Organisationsform in der Schweiz bisher noch wenig Nachahmer.
Am Anfang stand der Wunsch Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen. «Wie ist es möglich, beruflich erfolgreich und dabei doch zu Hause präsent zu sein während einer Zeit, in der die Kinder aufwachsen?» fragte sich Werbeprofi Hans Peter Zutt aus Wolfhausen im Zürcher Oberland. 1980 fand er eine Antwort: Seine Firma Zutt & Partner sollte nicht mehr von einer Zentrale aus funktionieren, zu der sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Morgen von ihrem Wohnort auf den Weg machten. Sie sollte dezentralisiert werden.
Moderne Mittel genutzt
Er hatte die Idee zur rechten Zeit: Eben setzte die Revolutionierung der Bürokommunikation ein. So war es ihm und seinem Unternehmen möglich, stets die neuste Technik nutzend, seine rund anderthalb Dutzend Mitarbeiter räumlich getrennt arbeiten zu lassen und trotzdem auf die für die Arbeit notwendige Kommunikation nicht verzichten zu müssen. Heute, rund anderthalb Jahrzehnte Pionierarbeit später, funktioniert Zutt & Partner besser denn je. Fax, Telefon, Computer, Mailboxen, Freisprechanlagen sind in einem ausgeklügelten Verbund zusammengefasst und in eine den neuen Gegebenheiten angepassten Firmenorganisation gegossen. Sie lassen die räumliche Trennung vergessen, ersetzen einen Grossteil der Sitzungen und der Von-Tür-zu-Tür-Kommunikation. Sitzungen gibt es nur, wenn die physische Präsenz unabdingbar ist. Diese wenigen Zusammenkünfte aber seien intensiver und besser vorbereitet als jene in früherer Zeit, sagt der ebenfalls im Unternehmen tätige Sohn Philipp Zutt.
Zum Musterbetrieb gemacht
Sein Vater könne es sich heute leisten, die Firma während einiger Wochen im Jahr von einer Alphütte im Bündnerland aus zu leiten - dank des ersten Swissnet-Anschlusses der Telecom in dieser Region. Nebst herkömmlicher Werbung ist Zutt & Partner nicht nur kompetenter Ansprechpartner im Multimediabereich, die Firma nutzt ihr Know-how auch für die Beratung von Teleheimarbeit-lnteressenten. Wird in der Öffentlichhkeit über neue Arbeitsformen diskutiert, findet sie prompt Erwähnung als Musterbetrieb. Trotz der positiven Erfahrungen, die Hans Peter Zutt mit der Organisationsform seiner Firma gemacht hat, findet er spärlich Nachahmer in der Schweiz. Es sind insgesamt nur wenige tausend Arbeitnehmer, deren Berufstätigkeit sich zu Hause vor dem Bildschirm abspielt. Bei etlichen von ihnen ist es zudem nur ein Teil der beruflichen Tätigkeit, während andere eine Zwischenform wählen und sich mit anderen «Teleworkern» zu einer Bürogemeinschaft zusammenschliessen. weiter